Die Deutschen trinken gerne Milch. Und liegen weltweit an der Spitze mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 85 Kilogramm pro Kopf. Der Handel mit Milch spielt eine zentrale Rolle in der Landwirtschaft. In Gerlingen eröffnete Gottlieb Grob 1904 das erste Gerlinger Milchgeschäft. Sein Tagewerk bestand darin, abends bei den Bauern vorbeizugehen und die Milch einzusammeln.

In Metallkannen kühlte er die Milch über Nacht im Brunnentrog in der Hauptstraße. Am nächsten Morgen fuhr er mit dem Pferdewagen über die Steige nach Stuttgart. Zum Ende des 1. Weltkriegs verschlechterte sich die Situation, denn die Hungersnot betraf auch das Vieh und die Kühe gaben weniger Milch oder verendeten. Um 1920 wurde die Pferdekutsche durch ein Motorfahrzeug ersetzt. 1926 wurde eine Milchsammelstelle eingerichtet. Gottlieb Grob schloss einen Vertrag mit dieser Milchgenossenschaft und war damit berechtigt, die Milch in ganz Gerlingen auszufahren, allerdings unter der Bedingung, dass er alles im Ort verkaufen konnte. 14 Liter Milch war die Menge für eine Familie pro Woche, diese kostete 2,80 Mark. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage konnten sich das einige Leute kaum leisten.

Ab 1928 übernahm Gottlieb Grobs Sohn das Geschäft. Nun wurde die Milch auch in Flaschen abgefüllt. Knapp 20 Jahre später wurde das Milchhäusle in der Urbanstraße gebaut. Jetzt konnten die Bürger aus einem breiteren Angebot von Milch auswählen. Im Milchhäusle gab es auch einen Verkaufsladen. Der Milchpreis war staatlich festgelegt und lag bei 21 Pfennig pro Liter. Später übernahm Fritz Sickinger den Verkauf der Milch. Dies tat er wieder mit einem Pferdewagen sowie Milchkannen und einer Glocke, mit der er seine Kundschaft anlockte.

Da aber der Weg zum Milchwagen für viele Kunden sehr lang war, erhielten die Lebensmittelgeschäfte 1958 ebenfalls die Erlaubnis, offene Milch in Milchkannen und Flaschen zu verkaufen. Ab 1960 waren dann ein separater Verkaufsraum für Milch und ein ausgebildeter Milchverkäufer mit absolvierter Gesundheitsuntersuchung vorgeschrieben.

Diese Hygienestandards sind für uns heute die Norm. Im Lauf der Jahre setzte sich der Tetrapak durch. Heute gibt es die Milchverwertungsgenossenschaft in Gerlingen nicht mehr, denn auch hier hat sich die Massenproduktion durchgesetzt und die Milchkannen haben ausgedient.

Aus dem Stadtarchiv, Shangavi Baskaran, FSJ – Kultur

Beitragsbild: So wurde früher oft angezeigt, dass Milch geliefert werden sollte – Foto: pixabay.com