Die Gerlinger Steinbrüche wurden im 19. Jahrhundert zu einer wichtigen Erwerbsquelle. Wie schon Agnes Maisch geschrieben hat: Gerlinger Steine waren sehr gefragt. Gerlingen war reich an Steinen. Die Steine lagen nicht in Brocken auf den Feldern wie beispielsweise auf der Schwäbischen Alb, sondern waren in mächtigen Lagern im Forchenrain und im unteren Krummbachtal zu finden. Wann genau in Gerlingen mit dem Steinbrechen begonnen wurde, ist nicht bekannt. 1762 wird im Gerichtsprotokoll eine „Liefferung von 16.000 Schuh Platten auf die Statt-Mauer zu Ludwigsburg“ erwähnt.

Die große Zeit der Steinbruchbesitzer begann mit dem Bau der Eisenbahnlinie von Stuttgart nach Ludwigsburg. Einer der Steinbruchbesitzer war Christoph Schweizer, er war auch einer der erfolgreichsten. Er war der Erste, der in der Christophstraße ein Haus gebaut und auch die benachbarten Grundstücke aufgekauft hatte. Die Straße trägt noch heute seinen Namen. Gerlingen wurde auch für Stuttgart, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen großen Bauboom erlebte, zu einem wichtigen Steinlieferanten. Im Stuttgarter Westen wurden ganze Straßenzüge sowie auch das Stuttgarter Marienhospital mit Steinen aus Gerlingen gebaut. Der Transport der teilweise riesigen Steine war damals äußerst schwierig. So wurde 1882 ein aus dem Steinbruch der Gebrüder Johannes und Gottfried Schweizer stammender Sandsteinquader auf einem von 6 Pferden gezogenen Steinwagen vom Mahdental aus über Leonberg bis zu seinem Bestimmungsort nach Stuttgart-Gaisburg gebracht. Die Mahdental-straße – der direkte Weg – wurde erst 1926 gebaut. Selbst ein Stein für die Gerlinger Kelter musste über Leonberg nach Gerlingen gezogen werden, denn auch die Krummbachtalstraße wurde erst später geplant.

In den Steinbrüchen war immer noch ein weiterer selbstständiger Unternehmer tätig: um die benötigten Werkzeuge zu schärfen und zu reparieren, war eine Feldschmiede in Betrieb.

Mit dem Aufkommen von Ziegelsteinen, Zement und Beton im Baugewerbe waren die ge-hauenen Natursteine nicht mehr gefragt. Die Anzahl der Steinbruchbetriebe in Gerlingen ging rasch zurück. Als die Steinbruchbetreiber 1911 von der Berufsgenossenschaft auf „ge-sundheitliche Maßnahmen bezüglich Tuberkulose“ aufmerksam gemacht wurden, berichtete das Gerlinger Schultheißenamt: „Die Steinbruch-Industrie ist wegen Unrentabilität nahezu ganz eingestellt.“ In den Fünfzigerjahren hat dann der letzte Steinhauer, Wilhelm Fauser, aufgegeben.

Aus dem Stadtarchiv, Carla Kastner

Beitragsbild: Gerlinger Steinbruch im 19. Jahrhundert © Stadtarchiv Gerlingen