Im Gerlinger Heimatbuch „Vom Dorf zur Stadt“ schreibt der frühere Archivar Friedrich Schaffert über den Botenverkehr nach Stuttgart. Bis ins Jahr 1955 gab es in Gerlingen verschiedene selbstständige Botenfamilien – Familie Gottlieb Grob, sein Schwager Samuel Wagner und eine Familie Weidle waren überwiegend im Milchhandel tätig sowie die Familie Bäuerle, die zu Anfang ohne Pferd, nur mit einem Handwagen, einem sogenannten „Schaltkarren“ ausgestattet, vor allem mit Butter nach Stuttgart fuhr.

Am bekanntesten war der Fuhrmann Gottlieb Grob. Dienstag, Donnerstag und Samstag waren Botentage – an diesen Tagen musste die Fahrt nach Stuttgart besonders früh angetreten werden, denn um 10 Uhr musste man von der Milchausfuhr wieder zurück sein, um neu zu laden: Butter, Gemüse, Obst, kleines Umzugsgut sowie sonstige Waren. Während des 1. Weltkrieges kamen noch Säcke mit Arbeitsanzügen hinzu, die von Gerlinger Frauen in Heimarbeit für eine Stuttgarter Firma genäht wurden.

Die Hauptstätter Straße in Stuttgart war Treffpunkt und Umschlagplatz der Boten. Grobs Standplatz war die Wirtschaft zur „Stadt Heidenheim“. Dort wurde auch gevespert. Die Rückfracht war ebenfalls garantiert – die Heimarbeiterinnen erhielten neues Material, verschiedene Reisevertreter hatten in Gerlingen Bestellungen aufgenommen und ließen nun ausliefern, der Schmied hatte Bandeisen bestellt und die Krämer Seifenpulver und anderes.

Als während des 1. Weltkriegs Gottlieb Grob als ehemaliger Artillerist zum Kriegsdienst eingezogen wurde, musste seine Frau mit den 6 Kindern das Fuhrgeschäft allein betreiben. Es kam auch vor, dass der damals 10-jährige Sohn Gottlieb Kartoffeln mit zwei Pferden vor dem Wagen nach Stuttgart fahren musste und dann von den Kunden noch beschimpft wurde, weil er die schweren Säcke nicht abladen konnte.

Die Einführung der Straßenbahn sowie die Errichtung einer Milchsammelstelle, die den Milchhandel zentralisierte, brachten für die Fuhrgeschäfte Einbußen mit sich.

1928 übernahm Sohn Gottlieb das Botengeschäft und Vater Grob blieb die Landwirtschaft. Mit seinem Schimmel machte er nur noch Gelegenheitsfahrten, wie z. B. die Abholung von Meterholz aus dem Wald.

Der Vater Gottlieb Grob, der bis 1955 am Brunnen vor seinem Haus in der Hauptstraße 55 seinen Schimmel wusch, gehörte für die Gerlinger zum Ortsbild. Dann litt der Schimmel an Altersschwäche und kam zum Abdecker. Als er seinen Rössle-Brunnen in der Hauptstraße an die Bevölkerung übergab, sagte Fritz von Graevenitz, dass er den Schimmel als Schmuck für den Brunnen gewählt habe in Erinnerung an den Fuhrmann Grob, der in der Hauptstraße 55 gewohnt hatte.

Aus dem Stadtarchiv, Carla Kastner

Beitragsbild: Gottlieb Grob – Bote um 1920 - Foto © Stadtarchiv Gerlingen