„Zur Aufrechterhaltung von Zucht und Ordnung stehen der Schule folgende gewöhnliche Strafen zu: Strafarbeiten, Einträge im Schultagebuch, einfacher Schularrest und Rektoratsarrest. In den unteren Klassen gegebenenfalls auch körperliche Züchtigung; in den mittleren Klassen zusätzlich Karzerstrafe; in den oberen Klassen zusätzlich Verweise vor dem Lehrerrat und Karzerstrafe“, dies stand in einer Schulordnung von 1946. So etwas in der Hausordnung seiner Schule zu lesen, kann sich heute wohl kaum noch ein Schüler vorstellen. Doch das war früher normal. Auf Zucht und Ordnung wurde großen Wert gelegt. Den Lehrern auf der Nase herumtanzen und ungeschoren davonkommen? Undenkbar!

Gerlinger Lehrer um 1904. © Foto: Stadtarchiv gerlingen

Gerlinger Lehrer um 1904. © Foto: Stadtarchiv gerlingen

Die Klassenclowns von vor 100 Jahren hatten es wohl nicht leicht. Körperliche Strafen sowie ein gelegentlicher Aufenthalt im Karzer, einem schuleigenen Kerker, waren üblich. Auch der Schulweg war z. B. für die Gerlinger Jugend kein Zuckerschlecken, wenn ich das mit meinem einminütigen Schulweg zum heutigen Robert-Bosch-Gymnasium vergleiche. Früher gab es in Gerlingen nämlich keine weiterführenden Schulen. So mussten z. B. Schüler, die um 1910 weiterführende Schulen besuchten, nach Korntal fahren, da das für die Gerlinger am ehesten erreichbar war. Doch das funktionierte nicht wie heute – Smartphone raus, VVS-App auf und die schnellste Verbindung von Gerlingen nach Korntal ausgespuckt bekommen. Nein, damals gingen die Schüler zu Fuß nach Ditzingen und fuhren von dort aus nach Korntal. Allein jeden Tag nach Ditzingen zu laufen … für die heutige, zugegebenermaßen etwas bequemere Jugend kaum vorstellbar. Geht man noch weiter in der Gerlinger Schulgeschichte zurück, so war auch der Schulweg der Grundschüler länger. Bis 1558 gab es in Gerlingen nämlich überhaupt keine Schule, jedoch auch keine Schulpflicht, diese wurde erst 1649 eingeführt. Diejenigen, die trotzdem die Schule besuchten, meist Kinder reicher Eltern, mussten zu Fuß nach Leonberg in die Schule gehen. Da wird einem schnell klar, wie gut und bequem die Möglichkeiten, eine Schule zu besuchen, heute sind, und das gilt nicht nur für Gerlingen. Bemerkenswert ist aber trotzdem, dass hier die Begeisterung einiger Schüler über das komplett sanierte Gymnasium wohl besonders groß war: „Wow! Hier ist es wie in einem Hotel“, sagte wohl ein Schüler nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnittes. Also liebe Schüler, regt euch nicht zu sehr über die Schule auf, wenn ihr es mit früher vergleicht, habt ihr es doch ziemlich gut!

Aus dem Stadtarchiv Mathilda Berndt, FSJ – Kultur

Beitragsbild: Bei der Lesestunde im Alten Schulhaus (heutiges Stadtmuseum). © Foto: Stadtarchiv gerlingen