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Hauptstrasse 28 Tankstelle Zeichnung von Hugo Frank 1944 © Stadtarchiv Gerlingen

Hauptstrasse 28 Tankstelle Zeichnung von Hugo Frank 1944 © Stadtarchiv Gerlingen

Selbstständige Unternehmer, die es zu Beginn des 19./20. Jahrhunderts in Gerlingen gab, letzte Folge.

Schmiede und Tankstelle und alles unter einem Dach – heute unvorstellbar! In Gerlingen gab es das tatsächlich. Ein Schmied war früher ein unverzichtbarer Handwerker, der teilweise auch Aufgaben der Wagner oder Hufschmiede übernahm. In Gerlingen gab es 1907 vier Schmiede: Wilhelm Heck, Gottlieb Höhn, Karl Lindenberger und Gottlob Rometsch. Diese legten gemeinsam eine Preisliste fest und verpflichteten sich als „vereinigte Schmiede“, diese Preise zu halten. Werkzeuge herstellen und schärfen, Hufeisen und Ochseneisen aufschlagen, Wagen beschlagen und Radreifen aufziehen, Türbänder und Schlösser richten gehörte zu ihrer Arbeit. So kostete 1907 ein neues Hufeisen aufschlagen 80 Pfennig, 1 kg Schwarzbrot bekam man damals für 29 Pfennig.

In den Jahren 1927 bis 1931 betrieb der Schmied und Schlosser Wilhelm Heck auf seinem Gelände in der Hauptstraße 3 eine „Benzin-Verkaufsstelle mit eingebauter Tankstelle“, die erste Tankstelle in Gerlingen. Öle und Schmierstoffe wurden auch im Schmiedebetrieb benötigt, so war der zusätzliche Vertrieb von Kraftstoffen nichts Ungewöhnliches zu dieser Zeit.

Eine weitere Tankstelle wurde 1930 vor einer Schmiede in der Hauptstraße 26 eingerichtet (heute Einfahrt zum Hotel Krone) und bis 1939 betrieben. 1950 wurde die Tankstelle nochmals in Betrieb genommen, bevor sie 1954 endgültig stillgelegt wurde.

Die klassische handwerkliche Schmiede, wie sie früher in nahezu jedem Ort anzutreffen war, ist mittlerweile fast völlig verschwunden. Die Schmiede hat sich zur Schlosserei weiterentwickelt, Stahl- und Metallbau gehören heute meist mit dazu.

Aus dem Stadtarchiv, Beate Wagner

Beitragsbild: Bild2 Hauptstr28 Tankstelle Zeichnung Hugo Frank 1944 RGB 300x212