Im Jahr 2013 wollen wir an Gerlingens Vergangenheit als Weinbaugemeinde erinnern. Vor 300 Jahren gab es in Gerlingen 140 ha Weinbau – heute sind es noch 8 ha.

Schon im Jahr 1399 wurde von einer Kelter bei der Kirche in Gerlingen berichtet. 1573 verfügte die Kelter über sechs Bäume zum Auspressen des Weines. Auf dem Dorfplan von 1831 ist der Grundriss der Kelter größer als der Grundriss der Kirche. Der Weg zur Petruskirche führte an dieser Kelter vorbei. 1624 wurde dann eine zweite Kelter im unteren Geschoss des damaligen Rathauses erwähnt. Auch die Größe der Kelter weist auf die große Bedeutung des Weinbaus zu dieser Zeit hin.

Dorfplan von 1831,  1 = Weilimdorfer Str. 3, 2 = Dreiseithof – Foto: Stadtarchiv Gerlingen

Dorfplan von 1831, 1 = Weilimdorfer Str. 3, 2 = Dreiseithof – Foto: Stadtarchiv Gerlingen

1875 gehörte laut einem Bericht in der Glems- und Würm-Gauzeitung (Vorgänger der Leonberger Kreiszeitung) zu den gesegnetsten Weinjahren dieses Jahrhunderts. 1877 wurde dann ein defekter Kelterbaum durch eine mechanische Presse ersetzt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts ging der Weinbau aufgrund von Rebkrankheiten und den daraus folgenden Missernten stark zurück. Einzelne Weingärtner richteten sich eigene Mosttrotten (Mostpressen) ein. 1885 wurde die Kelter dann abgebrochen. In der Glems- und Würm-Gauzeitung wurde in Anzeigen dazu Folgendes angeboten: „Verkauf von altem Eichen-Nutzholz aus dem Abbruch der Gemeindekelter – größtenteils über 200 Jahre alt“ oder „Hohlziegel-Verkauf aus dem Abbruch der Kelter“. Auch für den Bau des neuen Schulhauses, der späteren Post an der Ditzinger/Ecke Jakobstraße, wurde Baumaterial aus dem Abbruch der Kelter verwendet. Mit Gemeinderatsbeschluss vom 12.08.1885 wurde dann die Anschaffung einer öffentlichen Weinpresse beschlossen, die im alten Rathaus untergebracht wurde.

Seit dieser Zeit gibt es in Gerlingen keine Kelter mehr.

Aus dem Stadtarchiv vonCarla Kastner

Beitragsbild: Die Arbeit mit dem Kelterbaum – Foto: Stadtarchiv Gerlingen