Schon vor Beginn der Weinlese gab es allerhand vorzubereiten: Eimer, Tragekörbe und Butten wurden bereitgestellt, Zuber und Kübel mussten gewässert werden (das Quellen des Holzes sorgte für die Abdichtung der Gefäße).

Bei der Weinlese ging es kaum ohne zahlreiche Helferinnen und Helfer, die die Familie unterstützten. Frühmorgens begann die Arbeit in den Weinbergen. Die reifen Trauben wurden abgeschnitten und in hölzerne Kübel gelegt. Buttenträger liefen die Rebzeilen entlang und holten die Trauben ab, um sie in die bereitgestellten Fässer auf dem Wagen am Rande des Weinbergs zu transportieren. Die Buttenträger hatten die anstrengendste Arbeit zu erledigen: Das Gewicht der Butte brachte schon leer etliche Kilos auf die Waage, gefüllt brauchte es kräftige Männer, um die Trauben zu tragen. Und wenn einer der Leser seinen Eimer mit zu viel Schwung in die Butte kippte, landete schon mal der klebrige Saft im Genick des Trägers.

Weinlese im Lettlenberg – Foto © Stadtarchiv Gerlingen

Weinlese im Lettlenberg – Foto © Stadtarchiv Gerlingen

Pfarrer Hermann Dreher schreibt in seiner Ortschronik, der Gerlinger Wein gelte als besonders haltbar und erfreue sich eines guten Rufes. Als 1734 der Pfarrer von Gerlingen den hiesigen Wein als schwer zu genießen bezeichnete, entgegnete der geistliche Verwalter von Leonberg:  „In diesem Ort wächst der beste Wein von den Verwaltungsbezirken. Andere Pastoren halten sich für glücklich, nur denselben zu bekommen.“ In günstigen Jahrgängen wurden hohe Preise für den Wein erzielt; so galt 1900 der Eimer (ca. 300 Liter) 130–135 Mark. (Ein Arbeiter hatte einen Tageslohn von 3,80 Mark, ein Brot kostete 20 Pfennig.) Heute wachsen die Reben auf einer Gesamtfläche von 8 Hektar. „Gerlinger Bopser“ heißt die Lagebezeichnung, diese besteht aus dem Lettlenberg, der Roten Halde und dem Tal. Gerlinger Weingärtner haben feine Tropfen auf Lager, die gerne von den Kunden vor Ort gekauft werden.

Aus dem Stadtarchiv, Beate Wagner

Beitragsbild: Helfer bei der Weinlese um 1930 – Foto © Stadtarchiv Gerlingen