„Einmal hin, alles drin!“ real,-

Der Werbespruch der Einzelhandelskette ,,real,-“ ist durchaus wörtlich zu nehmen. Die Entwicklung von kleinen Lebensmittelläden zu großen Einzelhandelsketten mit einer beträchtlichen Produktpalette, die nahezu alle Bedürfnisse des Bürgers abdeckt, ist nicht nur erstaunlich, sondern vollzog sich auch in rasantem Tempo.

Für Gottfried Sickinger und seine Frau Rosine aus Gerlingen war es im Jahre 1904 ein gewagtes Vorhaben, ein kleines Lebensmittelgeschäft in der Ditzinger Straße 2 zu eröffnen. Der Laden bot eine kleine Auswahl an frischen Lebensmitteln. Das Geschäft wurde schnell beliebt und mit einer festen Kundschaft vergrößerten die Sickingers den Laden mit dem Umzug 1930 in das größere Gebäude in der Hauptstraße 1. Der gesamte Ort funktionierte so: Familien mit kleinen Geschäften und festem Kundenstamm. Die Familie Sickinger sei hier beispielhaft erwähnt. 25 Jahre später übergaben sie das Geschäft an ihren Neffen Albert Sickinger. Er leitete den Laden allerdings nicht selbst, sondern verpachtete ihn an die Kette „Edeka“. Die Kundschaft war mit der Auswahl an Lebensmitteln und der persönlichen Atmosphäre, die erhalten blieb, zufrieden.

Als Edeka die Filiale aufgab, zog zunächst die Kette „Bronner“ und danach die Kette „Plus“ in die Ladenräume. Im Februar 1992 veröffentlichte Albert Sickinger im Gerlinger Anzeiger eine Annonce zur Vermietung der Geschäftsräume. Dies löste Entsetzen bei den Kunden aus, denn für die Menschen, beispielsweise aus der Hofwiesenstraße, gehörte der Einkaufsladen zum täglichen Leben. Eine Petition wurde im Geschäft ausgehängt und bereits nach wenigen Tagen fanden sich dort mehr als 300 Unterschriften. Auch der damalige Bürgermeister Albrecht Sellner versuchte, mit der Plus Chefetage zu kommunizieren. Aufgrund der eingehaltenen Fristen war die Kündigung jedoch bereits wirksam. Die Schließung nach nahezu 88 Jahren des Bestehens des Lebensmittelgeschäfts war zu dieser Zeit keine Seltenheit und bis heute müssen kleine Geschäfte immer wieder großen weichen. Durch Discountpreise können sie sich kaum halten. Die Quantität stellt die Qualität infrage und „Tante-Emma-Läden“, wie man sie einst in einer Vielzahl kannte, sind somit individuelle Einzelstücke geworden.

Aus dem Stadtarchiv, Shangavi Baskaran, FSJ – Kultur

Beitragsbild: Das Geschäft von Ehepaar Sickinger in der Ditzinger Straße 2 um 1925. Über dem linken Fenster steht „Cigarren“ , über dem rechten „Cigaretten“ und über dem Eingang „Colonialwaren“ – Foto: Stadtarchiv Gerlingen