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„Was auf den Teller kommt, das wird gegessen!“, dieser Satz interessiert heute nur noch die wenigsten Kinder. Die einen mögen kein Gemüse, die anderen essen kein Fleisch. Die Essenskultur hat sich verändert.

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Familie Maisch beim Essen. © Foto: Stadtarchiv Gerlingen

Nach einem kleinen Interview mit Dieter Schweizer bin ich jetzt voll und ganz über das Essverhalten der älteren Generationen informiert. Besonders aufgefallen ist mir die sehr ernst genommene Tradition: Das Essen mit der Familie gehörte täglich dazu, sogar das, was an den einzelnen Wochentagen auf den Tisch kam, war geregelt. So war bei der Familie Schweizer z. B. immer samstags Backtag, d. h., man ging in eines der 2 Backhäusle in Gerlingen und backte dort für die ganze Woche Schwarzbrot, Weißbrot und Kartoffelkuchen für das Mittagessen am Samstag. Besonders in bäuerlichen Familien war dieser Backtag üblich und es war genau eingeteilt, welche Familie wann das Backhäusle nutzen konnte. Sonntags gab es den traditionellen Sonntagsbraten, montags wurden die Reste verwertet.

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Brottransport ins Backhaus. © Foto: Stadtarchiv Gerlingen

Auch das Ganze drumherum hatte seinen geregelten Ablauf. So gab es im Hause Schweizer die sogenannte Meckerstunde, die jeden Samstag nach dem Essen abgehalten wurde. Hier durfte jeder in der Familie äußern, was ihn gerade stört, und das ganz ohne Angst vor irgendwelchen Strafen. Gerade so ein Beisammensein ist heute oft nicht mehr möglich. Berufstätige wie auch Schüler ernähren sich nicht gerade gesund. Es gibt Fast-Food-Anbieter ohne Ende, die im Stress der heutigen Zeit gut besucht sind. Man trifft sich nach der Arbeit direkt mit Freunden oder hat noch einen Termin, da passt ein schneller Burger besser als ein selbst gekochtes Essen zu Hause. Natürlich gibt es auch Essenstrends, die nicht nur ungesund und schlecht sind, wie z. B. den gerade aufkommenden Vegan-Trend. In den Großstädten dieser Welt sind vegane Lebensmittelketten schon längst in hoher Anzahl vertreten. Wer gesund leben will, setzt oft auf Trends der Hollywoodstars, so feiern grüne Smoothies und Co. gerade ihren Erfolg. Doch genau das ist es, es sind „Trends“.

Aus Essenskultur wird Essenskult. Die Gerichte sollen möglichst toll aussehen und natürlich schmecken! Das interessierte früher niemanden, nach dem 2. Weltkrieg herrschte Essensknappheit, das Geld war nichts mehr wert. Da wurde gehamstert, die Leute gingen zum Bauern und tauschten ihr Teeservice gegen Lebensmittel. Schleckig zu sein, konnte man sich damals nicht erlauben, und Essen wegzuwerfen, war damals undenkbar! In Sachen Essenskultur kann man sich also durchaus ein Beispiel nehmen und vielleicht versuchen, wieder etwas mehr Wert auf gemütliches Beisammensein, den Speiserhythmus und zu guter Letzt selbst gekochtes Essen zu legen!

Aus dem Stadtarchiv
Mathilda Berndt, FSJ-Kultur

Beitragsbild: Familie Maisch Beim Essen