Der letzte Bericht in unserer Reihe über ehemalige Gerlinger Gastwirtschaften, deren Gebäude heute noch stehen, stellt das Gasthaus zur Linde vor.

Die „Linde“ befand sich 1883 in der oberen Hauptstraße 77. Gerne kehrten dort Waldarbeiter und Steinhauer ein, die von den Steinbrüchen im Krummbachtal und Mahdental kamen.

Im Jahre 1911 beantragte der Lindenwirt Gottlob Zimmermann, eine Gastwirtschaft an der Ecke Ditzinger-/Christophstraße zu eröffnen, seine bisherige „Linde“ in der Hauptstraße wollte er aufgeben. Die Wirtschaft mit Nebenzimmer und vier Fremdenzimmern im dritten Stock am neuen Standort befand sich dort, wo am Abend die Fabrikarbeiter vorbeikamen, die ihre Stuttgarter, Feuerbacher und Kornwestheimer Arbeitsstellen über den Bahnhof Ditzingen mit der Bahn erreichten. Alte Gerlinger erzählen, dass manche Ehefrau gelegentlich ihrem Mann abends ein Stück in Richtung Ditzingen entgegenging, um ihn fürsorglich an der neuen „Linde“ vorbei heimzugeleiten aus Furcht, der Ehemann bliebe dort zu lange hängen.

Poststempel von 1958 - © Stadtarchiv Gerlingen

Poststempel von 1958 – © Stadtarchiv Gerlingen

Als 1926 die Straßenbahnlinie nach Feuerbach eröffnet wurde, verlor die Wirtschaft ihren Standortvorteil. Der bequemere Weg Richtung Stuttgart war nun der mit der Straßenbahn. Jetzt kamen vermehrt Spaziergänger aus Stuttgart, die über die Solitude und die Schillerhöhe nach Gerlingen hinunterwanderten und gerne einkehren wollten. Der Lindenwirt passte sich geschickt dem Markt an und verlegte die „Linde“ wieder an ihren alten Standort in der Hauptstraße 77.

Die „Linde“, 1970 zum letzten Mal im Gerlinger Adressbuch verzeichnet, gibt es nun nicht mehr. Beide Gebäude werden heute als Wohnhäuser genutzt. Am Haus Ecke Ditzinger-/Christophstraße erkennt man noch die großen Bogenfenster der ehe­maligen Gastwirtschaft.

Aus dem Stadtarchiv von Beate Wagner

Beitragsbild: Gasthaus Linde – Hauptstr. 77 um 1940 - Foto © Stadtarchiv Gerlingen