Die naturverliebten Schweden eröffneten 2009 ihren 29. Nationalpark – den ersten Meeresnationalpark des Landes. Die Artenvielfalt rund um die Koster-Inseln ist riesig und wer mag, ist hier der Natur ganz nah auf der Spur.

Der knallrot-weiß lackierte Fährkatamaran durchpflügt die sanften Wellen des Kosterfjords im Skagerrak. An der schwedischen Fahne am Bootsheck zerrt der Fahrtwind. Darüber strahlt lichtblau der Himmel, als ob seine Farbe aus dem gleichen Malkasten wie die Nationalflagge stammen würde. An Steuer- und Backbord ziehen wie hingepinselt kleine Felseilande vorbei. Auf manchen thront als lehmroter Klecks eine Holzhütte. Fröhliche Eiszeit: Vor 10 000 Jahren haben Naturgewalten die Schärenlandschaft der schwedischen Südwestküste frei geschliffen.
Wir nehmen Kurs auf die Koster-Inseln, die gut 40 Minuten Fahrzeit vor der Küste Strömstads liegen und einen Mittelpunkt des neuen Meeresnationalparks Kosterhavet bilden. Zusammen mit dem nahen, ebenfalls neuen norwegischen Nationalpark Ytre Hvaler verschmelzen hier über 700 Quadratkilometer Meeresareal, das einen immensen Artenreichtum birgt.

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Der schwedische Nationalpark Fulufjället. © Foto: Stefan Grünig

Erlebnisurlaub für Biker, Familien, Wanderer und Naturliebhaber.

Die Fähre gleitet ruhig bis an den schmalen Anlegerkai von Nord-Koster. Neugierige Blicke erwarten das kleine Schiff. Die Tagesgäste, Wanderer, Biker oder Freunde der über 300 Koster-Seelen sind schnell von der kleinen Begrüßerschar umringt. Dreirädrige Zweitaktmopeds – Flakmoppe genannt – mit einer Art Bauchlade aus Holz nehmen die Koffer, Taschen und andere Reiseutensilien auf. Autos sucht man hier vergebens. Die Schwesterinsel Süd-Koster ankert nur einen Steinwurf weit über den schmalen Sund gegenüber, eine quietschgelbe Seilfähre verbindet die beiden Eilande. Flach und wellenumspült liegen sie da. Schmale Pfade durchziehen duftreiche Wiesen, die in einem Farbrausch aus Zimt, Violett und Gelb dem Sommer fröhnen. Moortümpel und Laubwäldchen tun sich auf, Schafe grasen first class mit Meerblick. Hier gedeihen viele seltene Pflanzen und bedrohte Schmetterlings- oder Wildbienenarten flattern und schwirren durch die salzige Meeresluft über eiszeitliche Geröllfelder oder herrliche kleine Buchten sowie feinsandige Strände.

 

Reisen und Tourismus in Schweden

Kaum zu glauben, dass Schwedens westlichste bewohnte Inselgruppe in der Hochsaison von bis zu 8 000 Tagesbesuchern geentert wird. Die Schärenlandschaft mit ihren Tausenden kleinen Felsinselchen, das angenehme Seeklima und das bewaldete Hinterland mit den Felsritzungen bei Tanumshede, die zum Weltkulturerbe zählen, wirken wie ein Magnet auf Naturliebhaber und aktive Sportsfreunde. Die Freizeitbootdichte ist weltrekordverdächtig.

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Das Ängsö Archipel in Schweden. © Foto: Kjell Holmner

Ein beliebtes Reiseziel: Der schwedische Meeresnationalpark.

Und ausgerechnet vor dieser belebten Küste liegt nun Schwedens erster Meeresnationalpark? Normalerweise versucht man, Menschen von schützenswerten Gegenden möglichst fernzuhalten. Doch in den letzten Jahren gab es Überlegungen, den Menschen gewissermaßen mit der Natur zu versöhnen, Ökologie und Ökonomie zu verschmelzen. „Mit dem Park bekommen wir die Möglichkeit, die Leute und Besucherströme weitaus besser zu lenken. Es gibt verschiedene Besucherzentren, die vielerlei Informationen anbieten und als Eingangspunkte fungieren“, erklärt Anders Tysklind, Direktor des Kosterhavet-Nationalparks.

Es galt, Überzeugungsarbeit zu leisten: Schließlich fürchteten die Bewohner existenzielle Einschnitte. Heute sind Fishermen & Friends beruhigt, das Fischen ist nach strengen Auflagen geregelt, sorgt aber mit 30 Trawlern und einem Jahresfang von bis zu 200 Tonnen der leckeren Garnele „Pandalus borealis“ dennoch für ein gutes Auskommen. Rund 97 Prozent von Kosterhavet „liegen“ unter der Meeresoberfläche: Vor der Küste der Region Bohuslän erstreckt sich eine respektable Tiefseewasserrinne parallel zur Küste. In den bis über 200 Meter tiefen, kalten Gewässern gedeihen etwa 6 000 Arten – davon alleine über 200, die man sonst nirgends in Schweden finden kann. Sogar Schwedens einziges Kaltwasserkorallenriff, „Lophelia pertusa“, thront hier. „Viele Schutzmaßnahmen in Kosterhavet sind ausreichend und gut. Der Umfang des Garnelenfangs ist zum Beispiel nicht allzu groß. Allerdings ist das Kaltwasserriff nicht ausreichend geschützt“, kommentiert Staffan Danielsson, Meeresaktivist („Ocean Campagner“) bei Greenpeace, die Situation rund um die Koster-Inseln.

Der Natur nah auf der Spur sein kann man auch außerhalb der Hauptsaison prima: Im „Streichelaquarium“ des Lovéncenters auf Tjärnö lassen sich Meeresbewohner hautnah bewundern. Und eine Tagesseereise mit der M/S Sara verspricht mit Unterwasserkameras spannende Einblicke in das Meeresleben. Auch Kajaktouren, Tauchen, Segeln, Wandern und Radeln auf Süd-Koster stehen auf dem Ferienfreizeitplan. Wer mag, kann sogar Ausschau nach einer der größten schwedischen Seehundpopulationen halten.

Urlaub für die ganze Familie – lassen Sie sich von Schweden begeistern!

Beitragsbild: Urlaub in Schweden: Fyrarna på Ursholmen.