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Weihnachten naht und mit all der Fröhlichkeit und den Feiertagen kommt auch der Stress mit dem Geschenkebesorgen, Keksebacken, Verwandteanrufen – es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die ersten Schwächen oder Organisationsprobleme zeigen. Wenn es doch bloß jemanden gäbe, der mir sagt, wie ich das alles bewältigen kann, ohne dass irgendwas unter den Tisch fällt.  Eine Anleitung, ein Sekretär, ein kleiner Helfer für die Hosentasche.

Wie gut, dass große Softwareunternehmen und Gadgethersteller dabei Abhilfe schaffen können. Was früher das Selbsthilfebuch war, ist heute das Smartphone, die Smartwatch, die App. Der digitale Helfer kann uns, basierend auf statistisch ermittelten Werten, sagen, wann wir uns genug bewegt haben, wann wir uns wieder mit Sonnencreme einreiben sollten, welche Zwischenziele wir heute erreichen müssen, wann wir wieder unsere Eltern anrufen sollten. Gerade läuft im Fernsehen eine Werbung, in der die Darstellerin auf Hinweise ihres Armbandes daran denkt, zu essen, Sport zu treiben und sich um genau 22.30 Uhr ins Bett zu legen.

Gut, wir kaufen die App, die Uhr, buchen die Online-Mitgliedschaft. Es beruhigt das Gewissen, etwas getan zu haben – „Ich arbeite an mir“. Vielleicht pflegt man den Kalorienzähler in seinem Smartphone. Vielleicht schafft man es für ein paar Tage, alle Yogaübungen des Onlinetrainings durchzuhalten. Und dann merkt man, dass die App so ist wie der obligatorische Crosstrainer im Keller oder die Anmeldung im Fitnessstudio im Januar. Nur halt etwas günstiger. Und spätestens, wenn die dritte freundliche Erinnerung an die geplante Joggingstrecke aufploppt oder wieder ein hastiges Mittagessen nicht in die Annalen der Cloud eingetragen wird, dann landet auch die App im virtuellen Keller.

 

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© Foto: Meliha Gojak (71640858) – Fotolia.com

Die Technik allein kann uns nicht helfen.

Aber warum klappt das eigentlich nicht? Es ist doch genau das, was wir wollten. Jemand, der uns daran erinnert, was wir eigentlich tun wollten. Jemand, der protokolliert und dessen Diagramme nichts beschönigen, jemand, der gerade ein bisschen nervt und ein bisschen nörgelt. Nur sorgen all diese Geräte, die wir uns kaufen, auf Dauer nicht dafür, dass wir uns besser fühlen, weil sie nur ein Symptom behandeln. Der Grund ist so einfach wie einleuchtend. Alle diese Sachen funktionieren nicht, wenn wir nur auf das Gadget oder das Buch hören und den Protagonisten des Ganzen – unseren Körper – außen vor lassen. Wir haben es schlicht und einfach verlernt, auf ihn zu hören. Wir gehen nicht mehr schlafen, wenn wir müde sind, und essen nur noch das, wofür Zeit ist, und nicht mehr das, worauf wir wirklich Appetit haben. Dabei ist der Appetit die einzige Möglichkeit, mit der der Körper dem Geist mitteilen kann, was er gerade benötigt. Egal, was der Körper aussendet, der innere Schweinehund und das, was wir schamloserweise Vernunft nennen, ignorieren den vermeintlichen Fußsoldaten, der unser Körper ist.

 

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©Foto: quipu (70313713) – Fotolia.com

Der Körper sagt uns, was wir brauchen.

Zuerst müssen wir es im Alltag schaffen, den Fokus vom Kopf wieder auf unseren Körper zu lenken mit all seinen Verspannungen, Wehwehchen, aber auch Signalen und Hinweisen. Die Kommunikation wieder aufzunehmen, ist nicht schwierig, erfordert aber etwas Zeit und Ausdauervermögen.

Kleine Rituale helfen uns dabei, uns wieder auf unseren Körper zu konzentrieren. Das Lesen vor dem Einschlafen ist dafür ein gutes Beispiel. Es ist weniger, dass wir den Körper darauf konditionieren, müde zu werden, wenn wir im Bett lesen, es ist genau andersherum – er lernt, wach zu bleiben. Der Geist sollte in eine Ruhephase kommen und hat dann wieder die Chance, mitzubekommen, wie müde der Körper wirklich ist. Das Zubereiten des Morgenkaffees erfolgt nach nach dem umgekehrten Prinzip: der Geist kann auch beim Durchführen einer praktisch automatisierten Tätigkeit entspannen und nimmt dann wieder die Signale seines Körpers war. Täglich kleine bewusste Rituale einzubauen und diese als solche wahrzunehmen, ist ein erster, wichtiger Schritt. Erst wenn wir wieder auf den Körper hören, können wir all die Annehmlichkeiten der modernen Technologie nutzen – als ergänzende Maßnahme.

Beitragsbild: Siri Sag Mir Was Ich Tun Soll