Gegen Unzufriedenheit und für eine gesunde Lebenseinstellung gibt es ein gutes Mittel: Reale Werte schaffen. Ansätze für eine andere Perspektive. Ein großer Bestandteil der heutigen Welt ist eine schier unendliche Masse an ständig verfügbaren Informationen. In der Welt des Internets und Fernsehens werden Wettbewerbe, Dokumentationen u. v. m. in feinster Weise komprimiert und zusammengeschnitten für das optimale Ergebnis – nicht für das reale Geschehen. Der Grund für steigende Unzufriedenheit liegt meist darin, dass von der echten Welt das Gleiche erwartet wird – perfekt auf den Benutzer zugeschnitten und einfach bedienbar soll sie dann sein. Wenn aber in diese Welt hinausgetreten wird, ist sie nicht einfach.

Und statt sich dieser Herausforderung zu stellen, ziehen sich immer mehr Menschen verunsichert und enttäuscht in die fiktive Welt zurück, in der sie sich sicher fühlen.Man stelle sich einmal einen gut gefüllten Saal einer Abendschule in 20 Jahren vor. Eine Gruppe von Menschen sitzt da, um sich in einem Fach unterweisen zu lassen, für das es noch vor Kurzem keinen Anlass gab. Weil der Inhalt dieses Kurses einfach selbstverständlich war: Wissen, wie man sich mit seiner Umwelt und vor allem mit sich selbst auseinandersetzt.

#1 Menschen haben Bedürfnisse: Das ist der Dreh- und Angelpunkt der gesamten menschlichen Welt, auch wenn man es oft nur auf die Ökonomie bezieht. Menschen haben Bedürfnisse und sie schätzen Personen, die diese erfüllen. Das kann der Mann hinter der Theke am Imbissstand sein, die Friseurin oder die nicht näher definierbaren Callcenter-Mitarbeiter für IT-Fragen. Kann man die Bedürfnisse nicht erfüllen, ist man uninteressant. Wenn ich einen Kumpel brauche, der mir beim Umzug hilft, brauche ich den Witzemacher nicht.

Foto © Heike-Berse / pixelio.de

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#2 Um diese Bedürfnisse zu erfüllen, muss man etwas tun: Für die Welt ist man die Summe seiner Fähigkeiten. Nicht mehr und nicht weniger. Das klingt jetzt vielleicht etwas harsch. Man ist ja mehr als das, was man tut. Man hat ein inneres Wesen, eine Seele, ein Gewissen. Es ist aber auch so, dass unsere Welt erwiesenermaßen zumeist aus Menschen besteht und diese, bis auf einige wenige, nicht Gedanken lesen können. Sie haben also gar keine Möglichkeit, unser wunderbares inneres Wesen zu sehen. Sie sehen nämlich nur eines: das, was wir tun.

#3 Um diese Bedürfnisse zu erfüllen, muss man etwas tun können: Gerade mit dem „etwas tun“ haben wir heute so unsere Schwierigkeiten. In der Welt der Youtube-Tutorials, beispielsweise zum Einbau eines Autoradios, reden wir uns immer noch ein, dass etwas „zu schwierig“ ist. Früher hat man halt „einfach“ ein Haus gebaut, das Auto repariert, einen Kuchen gebacken. Heute ist im Zweifelsfall alles schwierig, komplex, durch Regelwerke eingeschränkt.
Wer sich jetzt hinter der Aussage „Ich kann aber nichts Besonderes“ versteckt, dem kann man nur sagen, dass auch nie etwas passieren wird, wenn man nichts tut. Egal, was es ist, man muss zuerst einmal anfangen und dann weitermachen und dabei lernen. Das gilt für alle Altersgruppen. Nicht umsonst hat sich in der Berufswelt der Begriff des lebenslangen Lernens seinen festen Platz geschaffen. Daher: Üben, wiederholen, überwinden – egal, was es ist. Schreiben, Fußball spielen, kochen oder aus Tackernadeln eine lebensechte Figur von Mariah Carrey nachbauen. Hat man etwas wirklich getan, kann man sich auf dieser Ebene weiterentwickeln, Gleichgesinnte suchen, auf einer Wellenlänge kommunizieren und sich hierbei weiterbilden.

Foto © Petra Schmid / pixelio.de

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#4 Etwas zu tun, macht jeden zufriedener: Vielleicht ist es einfacher, das Ganze über den Umkehrschluss zu beschreiben: Man ist unzufrieden mit sich, weil man nichts tut – seine Zeit nach eigener Vorstellung nicht richtig nutzt. Weil wir stattdessen stundenlang das konsumieren, was andere erstellt haben, sei es Fernsehen, Internet oder auch klassische Kunst und Musik. Dafür erhält man aber keine soziale Anerkennung. Man würde auch keinem anderen diese Anerkennung schenken.
Wofür auch?

#5 Das Tun muss in einem Ergebnis enden: Nun gut, man hat irgendetwas getan. Ist das im Zweifelsfall denn nicht genug? Nicht wirklich. Etwas zu tun, heißt unter anderem, etwas anzufangen und vor allem abzuschließen. Und dieser Abschluss muss ein Ergebnis haben. Und zwar aus dem einfachen Grund: Weil Menschen Bedürfnisse haben. Menschen wollen ein Ergebnis, eines das ihr Bedürfnis erfüllt. Sie sehen keinen Weg, sie sehen keine
inneren Werte, sie sehen das Ergebnis.

Franziska Herget

Beitragsbild: Foto © pixelio.de