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Anti-Hipster Geschenke – was Geschenke wirklich wertvoll macht und Freude schafft.

Es naht die Geschenkezeit und damit wieder die alljährliche Frage: Was wem schenken? Offenheit heißt hier die Devise, nur eines ist bereits beschlossen: Hipstergeschenke sind dieses Jahr tabu.

Für diejenigen, an denen das Thema „Hipster“ vorbeigegangen ist, sei kurz gesagt: Hipster ist einfach die aktuelle Bezeichnung für diese extravaganten Technologiefreaks. Man erkennt sie an der Mischung aus Pseudo-Retro, Grunge und der neuesten Technik, die sie teilweise schon vor den Verkäufern im Laden in den Händen halten. Das Ganze kombiniert mit den überflüssigsten Gadgets, die man sich denken kann. So frisch und individuell, wie sie sein wollen, sind sie doch nur ein Symptom der Vergänglichkeit. Ihre Lebensaufgabe ist es, immer anders, individuell und up to date zu sein. Und so hüpft der Hipster – man sollte ihn eher Hopster nennen – von einer Individualitätsinsel zur anderen, immer mit der Angst im Rücken, die Normalität könnte ihn einholen.

Technik ist sehr vergänglich, und das liegt nicht nur an den kurzen Halbwertszeiten von Smartphones, Tablets und Co. Mindestens im jährlichen Turnus steht schon die nächste Version in den Regalen: bunter, kleiner, größer, leichter, wie auch immer. Die Geräte sind dann meistens nicht veraltet, sondern einfach nur aus der Mode. Geschenke sollten jedoch von Dauer sein und im Gedächtnis bleiben – also adieu Hipstertum.

Foto © Deucee / Thinkstock

Foto © Deucee / Thinkstock

Der Akt des Schenkens soll in seinem Ursprung eine selbstlose Darbietung sein. Mit einem Geschenk teilt man einem anderen mit, dass man an ihn gedacht hat. Jedes Präsent symbolisiert aber auch immaterielle Werte, es zeichnet sich durch Sympathie, Prestige, Anerkennung oder sogar Macht aus. Geschenke können soziale Bindungen stärken, aber auch kränken  –  dessen muss man sich als Schenker immer bewusst sein. Besonders unpassend ist es, wenn man mit einem Geschenk signalisiert, was für den Beschenkten gut ist, ihn damit quasi bevormundet. Wer nicht aufpasst, kann sehr leicht das Falsche ausdrücken. Wertvolle Geschenke zeichnen sich nicht durch einen hohen Preis aus. Ein bewusster Schenker macht sich das Jahr über schon Gedanken, was passen könnte.

Denn das, was man im August schon irgendwie gebraucht oder sich gewünscht hat und was im Dezember noch aktuell ist, hat gute Chancen, ein bleibendes Geschenk zu sein. Je schwieriger es aufzutreiben ist, desto besser. Das beginnt bei absolut nickelfreien Gürteln und Schmuck, geht über Comichefte aus der guten alten Zeit bis zu DVD-Boxen von nicht ganz so populären Sendungen, die nicht mal so eben im Kaufhaus zu bekommen sind.

Foto © Marianne J. / pixelio.de

Foto © Marianne J. / pixelio.de

Besonders trendig sind Geschenke zum gemeinsamen Erleben, wie Kochkurse oder Events. Ganze Internetplattformen sind auf Event- und Aktionsgeschenke spezialisiert. Ein Ausflug zum Paintball-Spiel, zum Gokart- oder Quadfahren wird auch Couchpotatoes und Kellerkinder nach draußen ins Abenteuer locken. Selbst Panzerfahren kann man – Schrottautos zum Plattwalzen inklusive. Gut, der Erlebnisgutschein „Flug ins Weltall“ für 95.000 US-Dollar zzgl. Trainingseinheiten ist wohl etwas hoch gegriffen – aber man erkennt das Prinzip.

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, deswegen gibt es auch für nette Kollegen und entfernte Bekannte in der letzten Woche vor Weihnachten etwas auf den Tisch. Dabei darf es nicht so groß sein, dass diese panikerfüllt wie Sheldon Cooper ein Gegengeschenk auftreiben wollen. So bietet sich  z. B. eine große Schale im Aufenthaltsraum mit kleinen Schokoladentäfelchen und Kräcker-Nuss-Päckchen an. Passend auch für alle, die Marzipan schon jetzt nicht mehr sehen können.

Nicht zuletzt sind Geschenke aber auch purer Eigennutz. Ganz ehrlich: Wer freut sich nicht, wenn man für das richtige Präsent mit einem Sprung um den Hals belohnt wird. Es ist erwiesen, dass Schenken Freude macht, sogar mehr, als beschenkt zu werden. Vielleicht sind die Gedanken um den ganzen Geschenkewahnsinn übertrieben, vielleicht auch nicht. Mich zumindest freut es, wenn ich im Februar noch Rückmeldung über das tolle Geschenk bekomme und es nicht im April wegen eines veralteten Displays oder fehlender LTE-Unterstützung ausgemustert wird.

Beitragsbild: 78724622 Fuse Thinkstock