In England gibt es ein sehr prägnantes Sprichwort: „The shoes make the man“ – die Schuhe machen den Mann. Wohlgesprochen von dem Land, dessen Städtchen Northhamptonshire einmal als Schuhmacherhauptstadt Europas galt. Das Phänomen Herrenschuh ist nicht nur auf der Insel vertreten, nein, es ist eher eine internationale Erscheinung. Egal, wen man fragt, ob Top-Manager oder Modeblogger, der Schuh ist und bleibt nun mal der Mittelpunkt der Herrenmode.

Das falsche oder ein zu preiswertes Paar Schuhe zerstört gegenüber Kennern leicht das komplette Outfit – auch wenn die anderen Teile den gängigsten Trends folgen. Von allem, was sich in der Garderobe des Mannes befindet, sind Schuhe mit Abstand das Styleelement mit dem größten Prestigefaktor. Ein Experte in Sachen Herrenschuh ist Maximilian Lehmann von der bekannten Schuhmanufaktur Heinrich Dinkelacker. Während seines Studiums jobbte er bei dem Traditionsunternehmen, lernte die hochwertigen Produktlinien und Unternehmensphilosophien kennen und schätzen und stieg nach Abschluss seines Betriebswirts mit in das Unternehmen ein.

 

Maximilian Lehman über die Grundausstattung für den modischen Mann von heute: „Für mich gehören zumindest ein klassischer Oxford, ein Budapester und ein Derby in glatter Ausführung in den Schuhschrank eines jeden Mannes.“ © Foto Heinrich Dinkelacker GmbH

Maximilian Lehman über die Grundausstattung für den modischen Mann von heute: „Für mich gehören zumindest ein klassischer Oxford, ein Budapester und ein Derby in glatter Ausführung in den Schuhschrank eines jeden Mannes.“ © Foto Heinrich Dinkelacker GmbH

Der Mann von heute ist wesentlich mutiger.

Gerade weil Schuhe für Männer ein so wichtiger Bestandteil der Garderobe sind, unterliegen sie nicht den für die Mode typisch kurzen Fashionintervallen. „Die Männermode an sich hat sich in den letzten Jahren enorm (positiv) entwickelt“, erzählt Maximilian Lehmann aus eigener Erfahrung. „Der Trend zur Individualisierung ist auf deutschen Straßen sichtbar und der Mann ist heutzutage wesentlich mutiger – egal welchen Alters.“

Herren wollen gepflegt und selbstbewusst aussehen, besonders wenn sie in der Geschäftswelt zu Hause sind. Die Designer von Businesslinien bauen ihre Kollektionen bewusst auf das Design und die Qualität von rahmengenähten Schuhen auf. Bei diesen wird der Schaft (der obere Teil) zunächst mit der Brandsohle (Innensohle) von außen vernäht. Gleichzeitig wird auf der Außenseite des Schafts ein schmaler Lederstreifen aufgenäht, der sogenannte Rahmen. Dieser wird dann in einem zweiten Schritt von unten mit der eigentlichen Laufsohle vernäht. Diese aufwendige Methode hat zwei Vorteile: Erstens, die Innensohle wurde nicht durchstochen und bleibt so wasserundurchlässig. Zweitens, die Sohlen können immer wieder erneuert werden, ohne dass der Schuh aufwendig aufgetrennt werden muss. Für solch einen arbeitsaufwendigen Schuh kommt meist nur das wertigste Leder infrage und es wird die beste Verarbeitung angestrebt.

 

Rahmengenähte Schuhe sind mit das Aufwendigste und Hochwertigste, das die Welt der Schuhe produzieren kann. © Foto Heinrich Dinkelacker GmbH

Rahmengenähte Schuhe sind mit das Aufwendigste und Hochwertigste, das die Welt der Schuhe produzieren kann. © Foto Heinrich Dinkelacker GmbH

Handgefertigte, rahmengenähte Herrenschuhe.

Im Segment der klassischen Premium-Herrenschuhe ist Heinrich Dinkelacker wohl der exklusivste Hersteller von handgefertigten, rahmengenähten Herrenschuhen in Deutschland. Die Traditionsfirma, deren Ursprünge bis ins Jahr 1879 zurückreichen, verzichtet bis heute bewusst auf Automatisierung und Massenproduktion. In den Werkstätten braucht es rund 300 manuelle Arbeitsschritte, um einen Schuh zu fertigen. Dieser bleibt dabei 11 Tage auf den Leisten. Das hochwertige Material behält so eine lebenslange Formtreue im Gegensatz zu Industrieschuhen, die heute nur noch maximal 45 Minuten auf den Leisten sitzen. Das exquisite Schuhwerk zeichnet sich durch eine herausragende Qualität, Langlebigkeit und einzigartige Passform aus, genau das, was anspruchsvolle Kunden aus Deutschland, der Schweiz oder auch Japan wertschätzen. „Es gibt Schuhliebhaber mit über 20 Paar Schuhen, aber auch Herren, die eben nur das eine Paar zum Anzug benötigen“, erklärt Maximilian Lehmann. „Mittlerweile bieten wir eine große Bandbreite an Casual- und Businessmodellen an“, erläutert er, „denn viele Kunden wollen auch in ihrer Freizeit nicht auf den hohen Tragekomfort eines Dinkelacker-Schuhs verzichten.“

Rahmengenähte Schuhe haben eine lange, erfolgreiche Geschichte vorzuweisen. Archäologische Funde aus dem 16. Jahrhundert beweisen, dass es sich beim Kuhmaulschuh, oder auch Bärentatze genannt, bereits um einen rahmengenähten Schuh handelte, der den davor gängigen Schnabelschuh komplett ablöste. Die Entwicklung des handgemachten Schuhs ging stetig weiter bis zum Beginn der industriellen Revolution und den daraus entstandenen Möglichkeiten, die den rahmengenähten Schuh hervorbrachten, wie wir ihn heute kennen.

Franziska Herget

Beitragsbild: © Foto Heinrich Dinkelacker GmbH