Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Wissenschaft nicht eine neue Erkenntnis über ein bestimmtes Lebensmittel findet. Acai-Beeren werden wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften in alle Höhen gelobt. Den Chia-Samen, der mexikanischen Form des Salbeis, wird eine unterstützende Wirkung beim Abnehmen nachgesagt. Und über die unglaublichen Eigenschaften der chinesischen Goji-Beeren können sich die Experten überhaupt nicht mehr beruhigen, sie beinhalten nahezu alle lebenswichtigen Nähr- und Vitalstoffe sowie darüber hinaus eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen, die in unseren alltäglichen, industriell hergestellten Lebensmitteln kaum noch zu finden sind.

Seit ein paar Jahren hat die Nahrungsmittelindustrie diese Superfoods für sich entdeckt und erfreut den gesundheitsbewussten Konsumenten mit einer Vielzahl an Möglichkeiten, diese gesunden Vitamin- und Nährstoffbomben in den persönlichen Speiseplan mit aufzunehmen. Kaum ein Müsli oder Smoothie, die man nicht auch versetzt mit Goji-Beeren, Hanfpulver oder Chia-Samen erhält. Die besonderen Eigenschaften von Matcha, Acai und Co. können aber auch gerne in Tabletten-, Pulver- oder Gelform unter das Abendessen gemischt werden.

Frische Kirschtomaten – Foto: www.emilymontana.de

Frische Kirschtomaten – Foto: www.emilymontana.de

So gesund es ist, sich mit der eigenen Ernährung auseinanderzusetzen, umso aufmerksamer muss man allerdings sein. Zum einen hat sich das Wort „Superfood“ zu einem Modewort entwickelt, auch wenn der Begriff schon seit dem 20. Jahrhundert ein Begriff ist, der beschreibt, dass ein Lebensmittel aufgrund seines Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel vorweist. Um wie viel höher, das ist allerdings nicht definiert. Daher wird es gerne von der Nahrungsmittelindustrie gehyped, um einen Kaufanreiz zu bilden.

Kritisch sehen Ernährungsexperten die große Menge an Nahrungsergänzungsmitteln, die auf Basis dieser Superfoods auf den Markt kommen. Seien es Superfood-Extrakte wie etwa Moringa- oder Hanf-Pulver oder Granatapfel in Kapseln. Viele verlassen sich darauf, dass sie eine gesunde Ernährung einfach unter ihren Kaffee mischen können. Das Gute an einem Lebensmittel kann aber gar nicht in ein paar Gramm Trockenpulver extrahiert werden.

Grundsätzlich erhoffen sich die Verbraucher von exotischen Superfrüchten, -gemüsen und -nüssen um einiges mehr als von heimischen Sorten. Das ist allerdings nicht nur auf Deutschland beschränkt, was zu interessanten Austauschprojekten führt. So ist z. B. der bei uns heimische Grünkohl in New York ein gehyptes Superfood, das in jeglicher Form von Lebensmitteln verarbeitet wird, vom Smoothie bis hin zu Gemüsechips und vermeintlich gesunden Donuts. Bei schonender Zubereitung weist der Grünkohl eine hohe Menge an antioxidativ wirkenden Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und überraschenderweise Aminosäuren auf.

Interessanter für die Umwelt, die Gesundheit und vor allem für das Portemonnaie sind lokale Superfoods. Um die positiven Effekte der Superfoods zu erwirken, kommt es auch immer auf die Frische, Menge, Zubereitungsart und Regelmäßigkeit der Aufnahme an. Erheblich günstiger als Chia-Samen sind zum Beispiel Leinsamen, denn deren Nährstoffzusammensetzung und Ballaststoffhaushalt sind nahezu identisch. Und die südeuropäischen Oliven enthalten eine ähnliche Zusammensetzung der Nährstoffe wie die hochgelobten Acai-Beeren. Heidelbeeren bieten ein hohes Maß an Antioxidantien und die viel verschmähte Rote Bete hat einen hohen Nitratgehalt, dieser wird vom Körper in Stickstoffmonoxid umgewandelt. Das soll unter anderem den Blutdruck senken und ist ein natürlicher Blutverdünner. Außerdem wirkt es keimabtötend.

Getreidefeld – Foto: Myrine Photography

Getreidefeld – Foto: Myrine Photography

Im Gegensatz zu ihren exotischen Namensvettern verlieren regionale Superfoods nur wenig Vitamine und Mineralstoffe während der kurzen Lager- und Transportzeiten und sie landen reif und frisch auf den hiesigen Wochenmärkten und in Bauernläden. Nur hier finden sich die wirklich gehaltvollen Blaubeeren, Grünkohl, Feldsalat oder Spinat. Was gerade keine Saison hat, findet sich auch nicht auf den Märkten und wenn man es bei anderen Verkäufern findet konnte es durch frühere Ernte meist auch nicht seine volle Vielfalt an Nährstoffen ausbilden. Ein anderer positiver Effekt der geringen Kosten von kurzen Transportwegen und entfallender Lagerung bei reifer Ernte: Regionale Bauern können auch altdeutsche Sorten anbieten, die sich im Einzelhandel nicht durchsetzen können und diese trotzdem wirtschaftlich produzieren. So zum Beispiel der rote Herbstkalvill, eine Apfelsorte mit rötlichem Fruchtfleisch und einem himbeerigen Aroma, die früher auch im Raum Stuttgart weitverbreitet war.

Aufmerksame Gourmets werden auch feststellen, dass Mehle, Öle und Müslimischungen aus der örtlichen Mühle und dem Hofladen erheblich anders schmecken als die normierten und aromatisierten Produkte aus dem Supermarkt. Neben individuellen Rezepturen sind es vor allem regionale, saisonale Sorten sowie ein gewisser Promilleanteil „Beifang“ –  regionale Kräuter, die mit Getreide, Sonnenblumen und Co. geerntet werden, die dem Mehl seinen besonderen Geschmack verleihen.

Info-Tipp:

www.keltenhof.com
www.philadelphia-bioland.de
www.oelmuehle-ditzingen.de
Ölmühle Münchingen Biobäckerei: Tel. 07150-95660

Beitragsbild: Kräuter werden auf dem Keltenhof von Hand gepflückt. Lokale Produzenten nutzen die Saison und schonen dabei die Umwelt und den Geldbeutel der Kunden. Durch die reife Ernte sind die Früchte und Gemüse super gesund und stehen den gehypten Superfoods in nichts nach. – Foto: www.emilymontana.de