Schneegestöber, kalte Finger und rote Nasenspitzen – was kann es da für Jung und Alt Schöneres geben als den Besuch eines der traditionsreichen und einladenden Weihnachtsmärkte.Dort lässt sich so einiges genießen gegen die jahreszeitliche Kälte: ein dampfender Glühwein oder Kinderpunsch, würzige Rostbratwürste vom Holzofengrill, kandierte Äpfel, heiße Maroni oder einfach die große Portion Zuckerwatte für den süßen Hunger.

Weihnachtsmärkte, auch Christkindles- oder Adventsmärkte genannt, haben in Europa, speziell in Deutschland, eine lange Tradition. Entstanden sind sie im 14. Jahrhundert, als die Stadtoberen begannen, Handwerkern und Händlern die Erlaubnis zu erteilen, ihre Erzeugnisse und Handelsgüter in der Vorweihnachtszeit in den Städten zum Verkauf anzubieten. Zu diesem Zwecke durften die Händler Verkaufsstände aufbauen, für die sie an die Stadt eine Standgebühr zu entrichten hatten. Dort waren neben Dingen für den täglichen Bedarf wie Tuch oder Körben auch Fleisch, Spielzeug oder Zuckerzeug für die Winterszeit und das Weihnachtsfest für jedermann einfach zu erwerben.

Natürlich sollten die Besucher dieser meist eintägigen Märkte nicht Hunger leiden müssen und so wurden von Anfang an heiße Maronen oder Nüsse zur Stärkung angeboten. Der Grundstein für die heutigen Märkte war gelegt. Über die Jahrhunderte entwickelten sich mehrtägige Märkte mit einem sich stetig erweiternden Angebot.

Berühmte Weihnachtsmärkte sind vor allem der Nürnberger Christkindlesmarkt, der Münchener Christkindlmarkt (bereits 1310 erstmalig erwähnt) oder der Dresdner Striezelmarkt mit seinen weltbekannten und aufwendigen Schnitzereien aus dem Erzgebirge und dem ehrwürdigen Dresdner Christstollen.

Dates und romantische Stunden auf dem Weihnachtsmarkt – Foto: pixabay.com

Dates und romantische Stunden auf dem Weihnachtsmarkt – Foto: pixabay.com

In Nürnberg eröffnet jedes Jahr das Christkind, dargestellt von einem 16- bis 19-jährigen Mädchen mit goldenen Locken, einem prächtig schimmernden weiß-goldenen Gewand und goldener Krone, den Markt mit den traditionsreichen Worten:

„Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart, Ihr Kleinen, am Beginn der Lebensfahrt, ein jeder, der sich heute freut und morgen wieder plagt: Hört alle zu, was Euch das Christkind sagt!

In jedem Jahr, vier Wochen vor der Zeit, da man den Christbaum schmückt und sich aufs Feiern freut, ersteht auf diesem Platz, der Ahn hat’s schon gekannt, was Ihr hier seht, Christkindlesmarkt genannt. (…)

Die Kinder der Welt und die armen Leut’, die wissen am besten, was Schenken bedeut’. Ihr Herrn und Frau’n, die Ihr einst Kinder wart, seid es heut’ wieder, freut Euch in ihrer Art. Das Christkind lädt zu seinem Markte ein, und wer da kommt, der soll willkommen sein.“ Die Himmelsbotin ist die Symbolfigur und Schutzpatronin ihres Christkindlesmarkts  und fungiert während der Adventszeit als wichtige Repräsentantin der Stadt.

Viele handgearbeitete Waren im Angebot – Foto: pixabay.com

Viele handgearbeitete Waren im Angebot – Foto: pixabay.com

Aber auch der Stuttgarter Weihnachtsmarkt gehört zu den ältesten des Landes. Erstmals urkundliche Erwähnung fand er im Jahre 1692 – jedoch bereits aus dem Jahre 1507 existiert ein Dokument über ein offizielles Marktprivileg, in dem Herzog Ulrich von Württemberg den Einzug des Standgeldes an den Jahrmärkten regelt. In diesem Marktprivileg wird ein Pferdemarkt an St. Ottmar (16. November) erwähnt. Aus diesem hat sich wohl der heutige Weihnachtsmarkt entwickelt, der mit seinen 280 festlich geschmückten Verkaufsständen jedes Jahr um die 3 Millionen Besucher anzieht. Vom Neuen Schloss über den Schillerplatz mit Altem Schloss und Stiftskirche bis zum Marktplatz erstreckt sich heute der Weihnachtsmarkt, der alles bietet, was für eine besinnliche und beschauliche Weihnachtszeit benötigt wird: Christbaumschmuck, Gewürze, Kulinarisches, Schmuck, Kunsthandwerkliches und Süßes.

Heute sind Weihnachtsmärkte beliebter denn je und gelten als Anziehungspunkt für Menschen aus dem In- und Ausland. In Stuttgart wird besonders für Kinder ein abwechslungsreiches Programm geboten, das den Besuch des Marktes Jahr für Jahr zum Höhepunkt werden lässt. So können die jungen Marktbesucher mit Dampfeisenbahn oder Karussell fahren, ihre eigene Schokolade gießen, in der Kerzen-Werkstatt Kerzen verzieren oder bei der Kinderbäckerei und an einem Lebkuchenherzen-Stand selbst kreativ werden. Und dann kann Weihnachten kommen.

Stephanie Zeiler

Beitragsbild: Am Schönsten ist es auf dem Weihnachtsmarkt, wenn es schneit – Foto: pixabay.com