Der Fellbacher Winzer Markus Heid über Rotwein, Wetter und Exoten

Aromen von Johannisbeere und Süßkirsche,  Noten von Kakao und Bitterschokolade, runde Tannine vom Holzfassausbau – so verheißungsvoll und vielschichtig können Weine aus Baden-Württemberg klingen. Zumindest wenn sie von anspruchsvollen Weinbauern wie Markus Heid komponiert werden. Und an eine Komposition erinnert die Arbeit des Winzers, denn er bemüht sich bei seiner Tätigkeit von Tag zu Tag, die richtigen „Töne“ zu treffen, die richtigen Entscheidungen zu fällen.

Und davon gibt es ein gerüttelt Maß: den passenden Rebstock zum mineralischen oder schweren Boden, die ökologisch sachgerechte Pflege der Pflanzen und Parzellen, ein schonendes Pressen der Trauben oder die ideale Verweildauer im Eichenholzfass.
Will man der hohen Winzerkunst gerecht werden, gilt es, vieles zu beachten.
Das Weinland Baden-Württemberg erlebt seit Mitte der Neunzigerjahre eine Umstrukturierung. Immer mehr wird versucht, sich an Weinqualitäten heranzutasten, die auch international Bestand haben. Dabei stellen die Winzer fest, dass ihr heimisches Anbaugebiet erheblich von der Klimaerwärmung profitiert.

Flaschengärung - © Weingut Heid

Flaschengärung – © Weingut Heid

„Wir haben heute Klimabedingungen wie in Norditalien“, weiß Markus Heid. Als große Chance und auch als langen und langsamen Weg begreift der Fellbacher diese erhebliche Veränderung. Denn jeder Winzer muss in mühevoller Kleinarbeit seine eigene Stilistik finden, um die Vorgaben aus Klima und geografischer Lage ideal zu nutzen. „Unsere Weine sind vielschichtiger und unterschiedlicher als Weine aus heißeren Regionen. Das erklärt sich einerseits durch unser wechselhaftes Klima, aber auch durch unsere mineralischen Böden“, so der Winzer. „Die interessanteren Weine stammen aus Lagen mit  
gemäßigtem Klima. Sie haben mehr Struktur und Frucht, sind feingliedriger. Die schweren Böden ermöglichen feurige Weine wie den Sauvignon Blanc oder exzellente Rotweine“, erklärt der Weinbauer.

Eine der größten Herausforderungen ist es dabei, den richtigen Rebstock für einen Standort zu finden. Markus Heid widmet sich ganz gezielt heimischen Gewächsen wie Trollinger, Lemberger oder Spätburgunder, die er wieder stärker zur Geltung kommen lassen möchte. Zusätzlich arbeitet er mit seinen Exoten, also internationalen Trauben wie Sauvignon Blanc, St. Laurent oder Syrah, 
von denen er glaubt, dass sie durchaus heimisch werden können.

Lagerung im Eichenholzfass - © Weingut Heid

Lagerung im Eichenholzfass – © Weingut Heid

Auf die Frage, was einen guten Winzer ausmache, antwortet Markus Heid mit einem Lachen und einem kleinen Geheimnis: „Im richtigen Moment nichts zu tun und der Natur freien Lauf zu lassen.“

Seine verdienstvolle Arbeit hat bislang gute Frucht getragen. Dies beweisen Auszeichnungen wie der deutsche Rotweinpreis für den Fellbacher Goldberg Cuvée „M“ Melchisedec. Stück für Stück wächst ein gewisses internationales Renommee und lässt den Fellbacher stolz auf sein Familienunternehmen blicken, das er in zehnter Generation leitet.

Ein Artikel von Stephanie Zeiler

Beitragsbild: Rebstöcke vor der Lese in Baden-Württemberg - © Weingut Heid