Es war ein Projekt, das der Stuttgarter Architektur zum ersten Mal diesen Touch von Moderne geben sollte, der heutzutage in jeder Großstadt allgegenwärtig ist. Die Weissenhofsiedlung, Namensgeber für den späteren Stadtteil, wurde 1927 von 17 internationalen Architekten geplant und erbaut. Die Modellsiedlung wurde anlässlich der vom Deutschen Werkbund ins Leben gerufenen Ausstellung „Die Wohnung“ errichtet, als Sinnbild für die neue Generation der Architektur. In nur 21 Wochen wurden dabei 21 Häuser mit insgesamt 63 Wohnungen mit den innovativen Konzepten des Neuen Bauens erbaut, teils mit Baumaterialien, die noch im experimentellen Stadium waren.

Das Ergebnis war eine ebenso neue wie fremde Siedlung. Die kubischen Häuser mit ihren Flachdächern und flexiblen Grundrissen kamen ohne Schmuck und Ornamente aus, das Gebäude an sich war Kunst genug. Zwischen neuen Wohnkonzepten stachen die beiden von Le Corbusier entworfenen und gebauten Doppelhaushälften am meisten heraus. Seine „Wohnmaschinen“ beinhalteten Schiebewände und -betten, sodass das Wohnzimmer jederzeit in mehrere Schlafzimmer umgewandelt werden konnte.

In den Jahren nach dem Krieg teils abgerissen, teils verfremdet saniert, wurden die erhalten gebliebenen Gebäude der Siedlung in den 50ern unter Denkmalschutz gestellt und in den 80ern aufwendig restauriert. Nur so ist es möglich, dass dieses architektonische Erbe bis heute erhalten geblieben ist.

Seit Oktober 2006 befindet sich in dem von Le Corbusier entworfenen Haus nach dreijähriger, sorgfältiger Sanierung das Weissenhofmuseum. In der linken Haushälfte gibt es eine Ausstellung, in der die Entstehung und die Geschichte der gesamten Siedlung zu sehen ist. Die Einrichtung der rechten Haushälfte wurde der Originaleinrichtung von 1927 nachempfunden, einschließlich Farbgestaltung, Möbeln und Raumaufteilung.

Momentan kann man zusätzlich zur Dauerausstellung die Ein-Bild-Ausstellung des „Ein Blick aus dem Fenster“ von Bernhard Pankok besuchen. Anlässlich des 250sten Jubiläums der Kunstakademie der Bildenden Künste wird das kleine Gemälde ausgestellt, das Pankok nach einem Blick aus dem Fenster im Winter 1931 gemalt hat. Er bannte den Blick aus der Akademie auf die Weissenhofsiedlung auf die Leinwand, während die Straßenbahnlinie 10 über den Vorplatz fährt. Das Gemälde betont noch einmal die Wirkung, die dieses außer­gewöhn­liche Bauprojekt bis heute auf Kunst und Architektur hat.

www.weissenhofmuseum.de

Beitragsbild: Das Weissenhofmuseum - Foto © Gonzalez/Weissenhofmuseum