Der Eingang zum Lapidarium in Stuttgart – Foto: Lapidarium Stuttgart

Der Eingang zum Lapidarium in Stuttgart – Foto: Lapidarium Stuttgart

Mit den warmen Sommertagen öffnen sich endlich wieder die Tore und Türen des Städtischen Lapidariums Stuttgart. Das Wort Lapidarium kommt aus dem Lateinischen und leitet sich von dem Wort „lapis“ = Stein ab. Ein Lapidarium ist also eine Sammlung von verschiedenen Steinwerken, wie etwa Skulpturen, aber auch Sarkophagen, Meilen- und Grabsteinen.

Das im Park der ehemaligen Villa Ostertag-Siegle gelegene Freilichtmuseum beherbergt zwei ganz außergewöhnliche Sammlungen. Zum einen werden hier die über 200 meist steinernen Zeugnisse aus fünf Jahrhunderten Stuttgarter Stadtgeschichte präsentiert. So wird zum Beispiel eine Jaspis-Schale aus dem Besitz der Königin Olga (1858) gezeigt, ein riesiges, gut erhaltenes Stück mit 1,15 Meter Durchmesser. Aber auch die Eingangsfassade vom Wohnhaus des Baumeisters Heinrich Schickhardt zeugt von der bauhistorischen Vergangenheit Stuttgarts. Diese erste Sammlung gehörte ursprünglich zum „Alten Lapidarium“, das im Jahr 1905 zusammengestellt wurde im Rahmen des Neubaus des Rathauses im Jahr 1899 und der Altstadtsanierung in den sechs Folgejahren. Bei Abbrucharbeiten wurden künstlerisch wertvolle Bauteile gesammelt und im westlichen Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters bei der Hospitalkirche ausgestellt.

Im September 1944 fiel dieses alte Lapidarium einem verheerenden Luftangriff zum Opfer. Ab dem Jahr 1946 wurden im Rahmen der Trümmerbeseitigung bau- und kunstgeschichtlich wertvolle Bauteile Stuttgarts geborgen, 1949 dann auch die Trümmer auf dem Gelände der Hospitalkirche. Im Jahr 1950 erwarb die Stadt die Villa Ostertag-Siegle in der Mörikestraße 24, um dort das neue Lapidarium einrichten zu können.  Die römische Antikensammlung von Carl von Ostertag-Siegle wurde als zweite Sammlung in das Lapidarium integriert. Allerdings fiel das Lapidarium ab dem Tod seines ersten Museumsleiters und größten Unterstützers Gustav Wais 1961 in eine Art Dornröschenschlaf. Der „steinerne Garten“ mit Terrassen, Brunnenhof und alten Bäumen verwilderte drei Jahrzehnte lang, bis er 1990 von der Stadt gründlich saniert und wiedereröffnet wurde. Seitdem kann jedes Jahr in den Sommermonaten diese eindrucksvolle Sammlung besucht werden.

Beitragsbild: Ausblick auf den Hof – Foto: Lapidarium Stuttgart