Egal ob in Gerlingen, Fellbach oder Backnang, der Schwabe geht gerne auf „sei Feschtle“. Mehr als 100 Wein-, Dorf- und Straßenfeste locken mit Kapelle, Kulinarischem und vor allem mit reichlich Körperkontakt. Beim Schieben durch enge Altstadtgassen oder beim Schlangestehen für Viertele und Falafel geht es auf engstem Raum hautnah zur Sache. Das ist die Schattenseite der Sieh-mich-Hocketsen. Im Dunkeln bleibt dann meistens, wer seine Hände nicht bei sich behalten kann. Betört von Blasmusik bis Pop steigt das Testosteron und schwindet der Anstand. „Finger weg, sonst knallts!“, ist das einzig Richtige, was Frau dazu zu sagen hat. Sagen wollte ich noch, dass sie mir trotzdem gefallen. Die Feschtle im Zentrum und im Speckgürtel von Stuttgart. Ob als Schickimicki-Sommerfete rund um den Eckensee oder als zünftiges Stadtfest in Fellbach & Co. Denn neben den unvermeidlichen, grapschenden Los Idiotes lernt man viele neue und nette Leute kennen.

Weintrauben vor der Lese - © www.kleinod.co.at/Pixelio

Weintrauben vor der Lese – © www.kleinod.co.at/Pixelio

Mittlerweile pflegen Freunde von mir richtige Feschtles-Bekanntschaften. Sie treffen also Menschen einmal im Jahr nur auf einem bestimmten Fest. Berüchtigt sind auch Hocketse-Hopper. Eine ganz spezielle Gattung von Festgängern, die garantiert auf jeder Freiluftfete – vom Asperger Stadtfest bis zum Cannstatter Wasen – nichts auslassen … vor allem nicht, einem mit ihren Berichten über Mitmenschen zu verwöhnen, die sie beim letzten Fest in üblem Zustand (hört, hört) oder mit neuem Partner (wie kann die nur mit dem?!) gesehen haben.

Schön ist an den Straßenfesten, dass die Ausschenker gerne mal einen neuen Sommerdrink importieren. Vielleicht haben Sie auch schon die Bekanntschaft eines gewissen „Hugos“ gemacht? Mir wurde der spritzige Mix aus Prosecco, Holunder-Sirup, Sprudel und frischen Minzblättern am Stuttgarter Sommerfest kredenzt. Google sagt, der Südtiroler ist in diesem Jahr der Trenddrink schlechthin. Wahrscheinlich war ich einer der Letzten, die ihn kennengelernt haben. Denn erst mal die Quasselbrause verschmeckt, bemerkte ich bald an etlichen Ständen und Theken „Hugo is in town“. Und alle abendlichen Sonnenbrillenträger prosteten sich freudig mit ihm zu. Hugo hat sogar mehrere Facebook-Profile. Allerdings ist hier die Fangemeinde deutlich kleiner. Nur knapp 1 000 Trinker klickten „Gefällt mir“. Auf den Feschtle dürften deutlich mehr Daumen für den flotten Italiener nach oben gehen.

Eine Kolumne von Michael Sudahl

Beitragsbild: Weinberg im Sommer - © Rainer Sturm/Pixelio