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Momentan in den Fernseher zu schauen, ist wie ein Blick in den Kühlschrank, wenn man nichts eingekauft hat: Reste. Da es für eine ganze Mahlzeit nicht reicht, wird das zusammengemischt, was noch genießbar ist. Das Ergebnis ist ein Resteessen, das einem nicht wirklich schmeckt, aber zu viele Ähnlichkeiten mit einem vergangenen wohlschmeckenden Mahl hat, als dass man es wegwerfen könnte.

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© Foto: LoboStudioHamburg – Pixabay.com

Bestes Beispiel für diese Symbolik sind die aktuellen/langjährig beliebten Coaching-Formate. Egal ob Kochen, Kaufen oder Ausmisten, gezeigt werden verschiedenste Menschen in alltäglichen bis unerträglichen Situationen, denen ein mehr oder weniger bekannter Prominenter unter die Arme greift. Die ersten Restauranttester, Bauretter und Hundeprofis waren noch authentisch. Aber was mangels neuer Ideen im Schnellkochtopf seither aufgewärmt wird, ist furchtbar. Da wurde ein Hund erst durch ein Pferd, dann durch eine Katze substituiert, der Koch nach Mallorca zum Frittentesten verfrachtet, aus den Auswanderern wurden die Rückkehrer. Was kommt als Nächstes – Bachelorette-Tausch? Schnäppchenhäuser auf Ibiza? Goldsuchen im Gartenteich?

Sogenannte Wissenssendungen oder Dokumentationen sind nicht besser. Nach drei Tagen Fernsehgenuss in Folge muss man auch hier wegschalten, nach der Dauerbeschallung vom ersten Weltkrieg, dem zweiten Weltkrieg, der Kennedy-Ermordung und den größten Schiffen der Welt. Was in der allseits bekannten „Wissenssendung Galileo“ zur Primetime läuft, lässt sich inzwischen so zusammenfassen: Reporter Jumbo steigt mit einem Smartphone auf den teuersten Kran der Welt, steckt es in einen veganen Burger und lässt die Zuschauer im multimedialen Quiz raten, ob das Handy nach dem Runterwerfen a) ganz bleibt, b) kaputtgeht oder c) explodiert. Videobeweis und die zehn besten Lifehacks zum Aufräumen danach inklusive.

Wer jetzt damit argumentieren will, Fernsehen auf den privaten Sendern sei schon immer so schlecht gewesen: Nein, es ist definitiv noch viel, viel schlimmer geworden. Momentan gibt es zwei große Sendergruppen, die sich den Fernsehmarkt aufteilen. Da ist kein Platz für wirkliche Unterhaltung, Innovation oder geschweige denn Wettbewerb. Es gilt nur noch, die Lücken zwischen den Werbepausen zu füllen, und zwar so günstig wie möglich. Zulasten übrigens der immer noch hart arbeitenden Kameraleute und kleinerer Produktionsfirmen, die das immer billigere Material immer billiger herstellen müssen. Guten Appetit!

Beitragsbild: Tv Resteeintopf Dreimal Aufgewaermt