Er fühlt sich an wie ein zweiter Anfang: der Frühling. Er erinnert an die schon vergessenen Neujahrsvorsätze. Denn mit neuer Lebensenergie aufgetankt, lassen die sich wieder in erreichbarer Nähe anvisieren. Die ersten Sonnenstrahlen erwecken das Gefühl des Neubeginns. So, als hätte es vor dem Winter nie einen Sommer gegeben. Geschweige denn andere Frühlinge.

Es muss nicht unbedingt warm sein. Allein die ersten schönen Tage, an denen Schal und Mütze daheim bleiben können, holen einen aus dem Wintertief. Neu motiviert, liegt einem sogar die ein oder andere Melodie auf den Lippen. Selbstverständlich scheint der Ansporn für das neu erwachende Jahr wieder zu keimen und aufzublühen.

Doch das ist nicht das Wichtigste. Jetzt geht es endlich wieder hinaus. Ins Freie. In die Freiheit? Darauf kommt es an. Raus aus den Mauern. Hervor hinter den geschlossenen Rollläden. Sehen und gesehen werden – ob nun im Park oder mit der neuen Sonnenbrille auf der Terrasse des Lieblingscafés. Und wie kann es anders sein, es springen schon die ersten Modebewussten in frischen Farben und kurzen Kleidern aus ihren Verschlägen und Verstecken. Durchsichtig heißt der Frühlings- und Sommertrend 2013. Mit Reizen geizen war gestern. Die Absicht dahinter: Gezielt pikante Details erahnen lassen. Andeuten. Hinweisen. Assoziieren. Und trotzdem verdeckt lassen. Dem Schichtenlook sei Dank. Irgendwohin müssen ja die ganzen Frühlingshormone. Sie sind es auch, die unsere Intuition ansprechen und unsere Wünsche über unseren Verstand, diese neunmalkluge Ratio, stellen. Die unseren allzu scharfen, analytischen, erwachsenen Verstand wie in der Jugend sanft vernebeln. So kann es ungehemmter passieren, dass sich der ein oder die andere spontan einen lang gehegten Traum erfüllt: zum Beispiel ein Zweisitzer-Cabrio. Was den Rest des Jahres natürlich wenig Sinn macht, vor allem mit Familie. Oder bei Regen.

Doch Nebel gewährt eben keinerlei Transparenz. Er fordert eine andere Logik. Kreativität. Und Mut zur Improvisation. Attribute, die auch gut zur Welt der Mode passen. Hier schließt sich der Kreis zwischen Zwiebellook und dem Trend in der Fashionwelt. Keine Angst vor verschleierten Details. Lüften Sie Ihre Geheimnisse.

Es scheint, als sehne sich nicht nur unser Körper nach Transparenz. Auch unser Geist. Was das neue Jahr betrifft. Private Vorhaben oder berufliche Veränderungen. Die Hormone lassen wie immer das Beste erahnen. Hoffen wir, dass ein Stück Nebel immer bleibt. Dann bleibt auch Hoffnung – auf den Durch- und Ausblick.

Michael Sudahl

Beitragsbild: Ohne Schichtenlook – einfach die Sonne auf der Haut spüren – Foto: emilymontana.de