Der Trend in Deutschland geht zu einem bewussteren Essen. Erst war es Bio, dann laktosefrei, dann glutenfrei und nun vegetarisch/vegan. Vegan sei gesund, umweltschonend und jeder Griff in die neue vegane Theke des Supermarkts eine bewusste Entscheidung zu einem besseren Leben. Das Tofu-Geschnetzelte wird so zum Mittel des modernen Ablasshandels.

Es spricht nichts dagegen, seine Ernährung oder Lebensweise aus ethischen oder gesundheitlichen Gründen umzustellen. Es ist jedoch unnötig, daraus eine Mode zu machen. Das Ergebnis ist eine Horde von Etiketten-Veganern, die durch die Supermärkte stolziert und wahllos nach allem greift, was als „vegan“ gekennzeichnet ist. Sei es der Bratwurstersatz, die Sojamilch oder die größte vegane Neuheit auf dem Markt: vegane Kräutertees. (Anm. d. Red.: Diese sind auch ohne Etikett schon immer vegan, vegetarisch und sogar cholesterinfrei).

Nicht immer bedeutet eine Etablierung am Markt eine Verbesserung des Produkts. Im Gegenteil, je mehr Großhersteller am Markt mitmischen, desto eher werden Schlupflöcher gesucht und gefunden. „Vegan“ im Supermarkt heißt im Zweifelsfall nämlich nicht das, was für den Verbraucher selbstverständlich ist: ohne Verwendung von Produkten tierischen Ursprungs. Besondere gesetzliche Vorgaben zur Kennzeichnung veganer Lebensmittel gibt es bisher noch nicht.

Daher ist es immer möglich, dass Zusatzstoffe, Aromen und Vitamine tierischen Ursprungs verarbeitet werden. Auch Verarbeitungshilfsstoffe (z. B. Gelatine zum Klären von Säften) können verwendet werden, ohne dass sie auf der Zutatenliste des Lebensmittels aufgeführt werden müssen.  Im Bereich Naturkosmetik/Parfums bedeutet „Vegan“ auch nicht, dass das Produkt oder einzelne Inhaltsstoffe nicht an Tieren getestet wurden. Wer wirklich echt vegan leben will, kommt nicht umhin, sich mit seinen Lebensmitteln über das Etikett hinaus auseinanderzusetzen. Und auch wenn es einem Supermärkte und Großindustrielle vorgaukeln wollen: Es ist auch nicht bequem. Gerade sie sind es, die das bewusste vegane Leben wieder ein Stück schwerer gemacht haben.

Beitragsbild: Schmetterling in der Wilhelma in Stuttgart – Foto: Franziska Herget