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Was die Geschwindigkeit angeht, ist das Internet wohl erst mal am oberen Ende angekommen. Zumindest scheint es so, da sich Werbestrategen und Entwickler derzeit mehr auf die Entschleunigung unseres Lebens konzentrieren. Die Werbebranche und Start-ups versuchen krampfhaft, einen Gegentrend zu etablieren. Abschalten sollen wir mal. Am besten mit ihrer Hilfe.

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Foto © PETRA BORK / PIXELIO.DE, MAIK SCHWERTLE / PIXELIO.DE

Yoga wurde schon mit allem Möglichen kombiniert, Schwangerschaftsyoga, Wasseryoga,
Yogayoga. Und nun – Laptopyoga. Das ist, nachdem Gummibälle die Büros der Republik zum Wohle einer krankenkassenfreundlichen Haltung bevölkerten, der neueste Schrei. Einfache Yogaübungen bringen über den Bildschirm Entspannung ins Büro.
All diejenigen, die sich schon mal mit dem Auto auf dem Landweg in den Spanienurlaub begeben haben, werden Ähnliches von den Rastplätzen kennen. Dort standen, zumindest in meiner Kindheit, Tafeln mit halbwegs sinnvollen Dehnübungen. Heute würde es Rastplatzyoga heißen. Damals wars einfach nur Gymnastik.
Und das ist der Kern des Ganzen. Es ist nichts Neues. Ich bin mir sicher, auch Gymnastik war einmal eine Werbestrategie. Davor ist der Mensch einfach aufgestanden, hat ein paar Runden ums Haus gedreht und sich ordentlich gestreckt. Das hat bis dahin auch super funktioniert. War halt marketingtechnisch nur mäßig nutzbar.

Für das Handy gibt es Apps, die für „Offtime“ sorgen. Die gleichnamige App schaltet alles ab, was gerade ablenkt, und teilt demjenigen, der die kostbare analoge Zeit stören will, per SMS mit, warum man gerade nicht kann. Allerdings muss vorher unter zahlreichen Möglichkeiten ausgewählt werden. Bewusst abschalten nennt sich das.

Dabei ist alles viel einfacher. Ohne Bevormundung und Hilfe von außen. Ich schmeiße mein Handy einfach auf die Couch und gehe mit dem Hund Bällchen werfen. Ich bewege mich, schalte ab, bekomme Sonnenlicht und treffe andere Menschen. Und alles ohne App. Nun hat nicht jeder einen Hund. Aber eine Tür dürfte jede Wohnung haben. Und wenn diese benutzt wird, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Ansonsten hat jedes Handy einen Knopf zum Ausschalten.

Kai La Quatra
www.laquatra.de

Beitragsbild: Digitales Vintage