Zu Parfüms habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Das echte Kölnisch Wasser etwa sorgte dafür, dass mir als Kind regelmäßig schlecht wurde. Meine Oma trug es sonntags zum Ausflug wenig sparsam auf und das ganze Auto roch intensiv nach „Original Eau de Cologne“. Was meinen Magen schon nach zehn Minuten Fahrt so sehr reizte, dass nach dem Mittagessen gleich wieder Platz für Kaffee und Kuchen war.

Als Teenager folgte die Fortsetzung. In Mode waren Ende der 1980er beim begehrten anderen Geschlecht gerade Leggins und schreiend bunte Mickey-Maus-Pullover, drei Nummern zu groß, und, leider, Düfte mit Fruchtaroma. Erdbeere, Brombeere und Pfirsich waren der Brüller. Beim Stehbluestanzen fühlte ich mich wie in einer Obstschale. Viel begriffen habe ich damals nicht. Nur war ich mir sicher: Betörend geht anders.

Bis heute lässt mich Werbung für Parfüms erschaudern. Wer erinnert sich noch an das abgemagerte Model Kate Moss, das in dunkler Stimmung und mit schwacher Stimme „Calvin Klein“ näselte. Wer sollte das warum kaufen? Ach so, das waren die Vorboten der Gothik- und Emo-Bewegung. Abtrauern statt antörnen.

Spült mich die Tage das Weihnachts-Shopping in eine Parfümerie, bin ich schlicht erschlagen. Gefühlte 100.000 Duftnoten stehen wie bei einer Militärparade in Reih‘ und Glied im Regal. Spätestens nach dem dritten weißen Blättchen, das mir die freundliche Frau mit viel Make-up (früher waren die Mäuse noch auf den Pullovern) unter der Nase fächelt, ist Schluss. Ich rieche komplett gar nichts mehr. Wie soll ich hier die Illusion von Freiheit und Sexappeal finden, wenn mir nach fünf Minuten die Nasenschleimhäute zuschwellen?

Als Mann kann ich mich bei Parfüm vor allem für eines begeistern: die Technik. Faszinierend, wie akkurat die Verpackungen gefaltet sind. Die mit Mehrschichtstrukturlack bedruckten und folierten Kartons scheinen mindestens so wertvoll zu sein wie das Rosenwasser im Flakon. Also los Männer, vergesst Zwölfzylinder und 23-Zoll-Felgen, bei Douglas & Co. findet ihr die wahren Werte.

Eine Kolumne von Michael Sudahl

Beitragsbild: Sammlung von echt kölnisch Wasser - Foto © Gerhard Frassa/Pixelio