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Vor Kurzem hat die Firma Microsoft eine Studie zum Thema Aufmerksamkeitsspannen und Denkleistung von Smartphonenutzern herausgebracht. Getestet wurden 2.000 Kanadier, die Spiele spielen mussten, bei denen Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit getestet wurden. Die Ergebnisse waren weniger überraschend als eher ernüchternd. Dank der dauernden Ablenkung durch Candy Crush, Facebook und Co. beträgt die Aufmerksamkeitsspanne eines Erwachsenen heute im Schnitt satte acht Sekunden. Das sind vier Sekunden weniger als noch im Jahr 2000. Und immerhin eine Sekunde weniger als bei einem Goldfisch.

Woher aber kommt jetzt diese drastische Abnahme in der Zeitspanne, während derer der Mensch Aufmerksamkeit aufbringen kann? Nun, ein Beispiel. Als ich den Abstract, also die Zusammenfassung dieser Studie lese, läuft auf dem Fernseher der Stream mit der achten Folge „Game of Thrones“ an diesem Tag. Via Facebook Messenger auf dem Smartphone ist Freundin #1 am Tippen, Freundin #2 schreibt auf WhatsApp, weil sie Facebook nicht leiden kann. Und während bei beiden noch die „Ist am schreiben“-Meldung angezeigt wird, kommen bei Candy Crush die nächsten Anfragen reingerutscht. Und weil jetzt sowieso schon der Lesefluss unterbrochen ist, werden bei 9GAG noch „kurz“ die Trending-Pages durchgescrollt.

Wir setzen uns freiwillig einer ungeheuren Informationsflut aus. Wir wollen sie, wir brauchen sie, um in dieser schnellen Welt immer up to date zu sein. Nur haben wir einfach nicht die Zeit dafür. Das ganze soziale Leben muss auf 140 Zeichen begrenzt werden. Und bei all dem, was abstrahiert, abgespeckt und zusammengestrichen wird, geht so viel verloren, dass wir von unserer wirklichen Umgebung fast gar nichts mehr mitbekommen. Unsere Aufmerksamkeit ist kein unbegrenztes Gut. Das ist für die Werbespezialisten, für die diese Studie eigentlich gedacht ist, ein bekannter Fakt. Das muss es auch für uns sein.

Die Publikation zur Studie finden Sie hier (englisch):  bit.ly/1As9edW

Beitragsbild: Der Ueberlegene Goldfisch