Ich fahre einen Mercedes. Cabrio. Einen SLK in Weiß. Gebraucht. BJ 2007. War ein Schnäppchen. Mit schwarzen Ledersitzen. „Schneewittchensarg“, sagt ein Freund. „Mein Garten hat 156 PS“, antworte ich. Mir gefällt er, egal, was die anderen sagen. Was ich beim Kauf nicht wusste, ist, dass die Autobauer und vor allem Autohändler echt viel in die Kundenbindung investieren. Da reicht es nicht, dass einem einfach das Auto gefällt und es im besten Fall einfach fährt.

Neeeiiiin! Die Marketingabteilungen legen sich ins Zeug. Das merke ich beim großen Kundendienst C. Okay, wer so einen Karren fahren will, muss bereit sein, mehr zu bezahlen. Etwa für den Service. Dafür gibt es immer frische Brötchen und heißen Kaffee im Autohaus, wenn ich was reparieren lassen will. Etwas teurer ist auch der Winterreifenwechsel. Aber dafür ist man unter sich. Und für verloren gegangene Plastikradabdeckkappen mit Logo sollte man auch bereit sein, etwas tiefer in die Tasche zu greifen (25 Euro das Stück!). Alles kein Problem. Ich hab‘s ja vorher gewusst, auf was ich mich da einlasse. Nahezu genial fand ich dann aber das Präsent, das nach dem Kudi C auf dem Beifahrersitz Platz genommen hatte. Eine weiße, ungefähr DIN-A4-große Schachtel. Darauf leuchteten in roter Schrift die drei Buchstaben des Herstellers: WMF. Ja super, was hat denn mein schickes Sportwägelchen mit dem schwäbischen Edel-Küchen-Ausstatter gemeinsam? Wie ein kleiner Junge an Weihnachten reiße ich die Verpackung auf. Und: Uuuuh, Freude überschwemmte
mich.

Foto © Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Foto © Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Da blitzten mir doch zwei silbermetallene Küchen-Accessoires entgegen. Wie Zwillinge liegen eine Pfeffer- und eine Salzmühle von grauem Schaumstoff gehalten vor mir. Auf den zweiten Blick stechen mir zwei mal vier Batterien ins Auge. Und ich begreife: Diese Teufelsgewürzmaschinen sind etwas ganz Besonderes. Mit vor Aufregung feuchten Fingern fummle ich alles zusammen und halte sie in Händen: elektromotorisch angetriebene Leuchtpfeffermühlensalzstreuer. Das wird der Hit auf der nächsten Party! Oder ich lege sie statt Wackeldackel auf die Hutablage.

Michael Sudahl

Beitragsbild: Foto © Uschi Dreiucker / pixelio.de