Der ehemalige Stuttgarter Richter Christoph Strecker diskutiert über sein neues Buch

Karlsruhe, 9. November 2015. Der ehemalige Stuttgarter Richter und Autor Christoph Strecker stellt am Montag, den 16. November 2015 um 19.30 Uhr im Württembergischen Kunstverein Stuttgart (Schloßplatz 2, 70173 Stuttgart) sein neues Buch „Justiz von unten. Berichte, Kritik und Denkanstöße aus der Black Box“ vor.

Strecker kritisiert darin, dass es in der Justiz weniger auf Gerechtigkeit und menschenfreundliche Verfahren ankommt als auf die effiziente Erledigung von Fällen. Er plädiert für einen aufrechten Gang in der Justiz, für einen rücksichtsvollen Umgang mit den Menschen vor Gericht und für eine bewusste Orientierung an den Menschenrechten.

Peter Grohmann und Roland Kugler sprechen mit dem Autor über sein neues Buch. Die Moderation hat Petra Bewer (Begrüßung: Hans Christ).

Die Diskussion ist Teil des Rahmenprogramms der Ausstellung „Die Bestie und der Souverän“ und wird vom Württembergischen Kunstverein Stuttgart und den Anstiftern veranstaltet. Der Eintritt ist frei.

Das Buch „Justiz von unten“ ist im September 2015 im von Loeper Literaturverlag (Karlsruhe) erschienen und im Buchhandel sowie beim Verlag erhältlich (kartonierte Ausgabe: 218 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-86059-526-8).

Das Buch: Justiz von unten

Die Justiz wird häufig als Black Box, als undurchschaubares System wahrgenommen. Viele Entscheidungsprozesse sind nicht nachvollziehbar. Der Rechtsstaat ist keine Selbstverständlichkeit. Die grundgesetzlich garantierte richterliche Unabhängigkeit ist immer von innen und außen bedroht. Eine demokratische und transparente Selbstverwaltung der Justiz existiert in Deutschland nicht.

Der ehemalige Richter Christoph Strecker berichtet aus der Black Box über seine Erfahrungen und über die richterliche Lebenswelt in einem System von Hierarchie und Karriere. Er bemängelt, dass es in der Justiz weniger auf Gerechtigkeit und menschenfreundliche Verfahren ankommt als auf die effiziente Erledigung von ‚Fällen‘. Dazu gehört auch, dass in der Richterschaft die Vorstellung weit verbreitet ist, Rechtsprechung habe nichts mit Politik zu tun. So führt das Desinteresse an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer permanenten Bestätigung der bestehenden Machtverhältnisse.

Gegenüber den inneren und äußeren Anpassungszwängen plädiert der Autor für einen ‚aufrechten Gang‘ in der Justiz, für einen rücksichtsvollen Umgang mit den Menschen vor Gericht und für eine bewusste Orientierung an den Menschenrechten. Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sollten sich als Teil der Zivilgesellschaft begreifen und sich für die Rechte derer einsetzen, die auf den Schutz des Rechts angewiesen sind.

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier.

Portrait des Autors Christopf Strecker – Foto: von Loeper Literaturverlag

Portrait des Autors Christopf Strecker – Foto: von Loeper Literaturverlag

Der Autor: Christoph Strecker

Christoph Strecker, geboren 1937, studierte Germanistik, Romanistik, Ethnologie, Soziologie und Rechtswissenschaft in Marburg, Berlin und Heidelberg. Er war von 1968 bis 1970 als Rechtsanwalt in Heidelberg tätig und von 1971 bis 2002 Richter am Amts-, Land- und Oberlandesgericht in Stuttgart (von 1977 bis 2002 als Familienrichter). Seit seiner Pensionierung arbeitet Strecker als Mediator für Trennungs- und Scheidungskonflikte. Zu dieser Thematik hat er den Ratgeber „Versöhnliche Scheidung“ verfasst, der inzwischen in der fünften Auflage erschienen ist. Christoph Strecker ist Mitbegründer des „Richter-Ratschlags“, der „Neuen Richtervereinigung“, der Vereinigung „Europäische Richter für Demokratie und Grundrechte (MEDEL)“ und der Zeitschrift „Betrifft JUSTIZ“, in der er zahlreiche Aufsätze veröffentlicht hat.

Weitere Informationen zum Autor finden Sie hier.

Beitragsbild: Buchcover Justiz von unten – Foto: von Loeper Literaturverlag