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Wie eine Symphonie unsere Seele mit hervorragenden Tonkompositionen berührt, so verleiht auch ein Kräuter- oder Blütenbad dem Körper und Geist eine Ausgeglichenheit und Harmonie. Diese Bäder helfen uns, die Gesundheit zu erlangen und sie zu bewahren.

Seit mehreren Jahrtausenden ist das Baden in Thermalquellen als Heilmethode und Gesundheitsprophylaxe bekannt. Griechen und Römer bauten prachtvolle Asklepien (nach Äskulap, dem griechischen Gott der Heilkunde, genannt) und wandten Heilbäder mit natürlichen Heilmitteln an. Den Thymian, eine altbekannte Heilpflanze gegen Husten, benutzten die alten Römer als aphrodisierendes Bad. Ätherische Öle als Badezusätze nutzten sie, um Haare und Körper zu parfümieren und Schmerzen zu lindern. Die Römer verwendeten das Kamillenöl gegen Hautbeschwerden und zur Wundheilung, wie zum Beispiel im Fuß- oder Handbad bei Nagelbettentzündung, für Gesichtsumschläge oder ein Gesichts-Dampfbad bei Akne.

Schon zur Zeit Jesu war das Tote Meer ein beliebter Ort, um die wohltuende Kraft des salzigen Wassers zu nutzen. Ergänzt durch Kamille und Lavendel (einer Abkochung aus 300 bis 500 g Blüten pro Bad), wirkt ein Salzbad entspannend, beruhigend und innerlich reinigend. Eine ähnliche wohltuende Wirkung hat ein 4-Kräuter-Bad mit Brennnessel- und Birkenblättern, Kamillenblüten und den Wurzeln der großen Klette.

Die erste deutsche „Naturärztin“, Hildegard von Bingen, hat schon im Mittelalter die Zusammenwirkung von Seele und Körper besonders stark hervorgehoben. Von ihr stammen viele Rezepturen für Badezusätze. Ein Zypressenbad aus Zweigen und Blättern empfahl sie zur Anregung der Durchblutung und somit bei Kreislaufschwäche. Ähnliche Wirkung wies sie auch dem Gerstenkornbad zu, das man bis zu 3-mal wöchentlich nehmen kann: Man kocht 3 kg Gerstenkörner 15 Minuten lang, seiht sie ab und fügt den Sud dem Badewasser zu.

Schafgarbenblüte – © Olga Dietl

Schafgarbe

Ein belebendes Bad mit Rosmarin kann bei Herzschwäche oder Erkältung Kraft geben und Müdigkeit vertreiben. Deswegen sollte man dieses Bad jedoch nie spät abends oder bei hohem Blutdruck nehmen. Bei allgemeiner Kraftlosigkeit empfiehlt sich auch ein Vollbad aus sechs unserer einheimischen Heilpflanzen. Man mischt zu gleichen Teilen Zitronenmelisse, Schafgarbe, Beifuß (oder Wermut), Majoran, Kalmuswurzel sowie Knospen und junge Zweige von der Kiefer, nimmt 120 g der Mischung und köchelt sie 30 Minuten in 3 bis 5 Liter Wasser. Alle Pflanzen für diese Mischung (außer der Kiefer) können auch getrocknet sein.

Wenn Gelenke schmerzen oder Wadenkrämpfe die Ruhe rauben, helfen Fußbäder oder Vollbäder mit Lorbeerblättern, Schafgarbenkraut, Gundelrebe oder Latschenkiefer. Möchte man auch die Haut gleichzeitig pflegen und den Kreislauf in den Gliedern anregen, dann mischt man Zinnkraut (Ackerschachtelhalm), Schafgarbe und Thymian miteinander, bereitet einen Sud aus 150 g der Mischung und fügt einen Teelöffel Weizenkeimöl hinzu. Diese Mischung ist als Fuß-, Hand- oder Vollbad gut geeignet, verleiht Seelenruhe und Entspannung nach einem anstrengenden Tag.

Wer Heilbäder anwendet, sollte allgemeine Regeln befolgen: Die Heißbäder (über 38 °C) sollten nicht länger als 10 Minuten dauern und die Warmbäder (ca. 37 °C) können 15 bis 20 Minuten lang genommen werden.

Ein Artikel von Kräuterfachfrau Olga Dietl

Buch–Tipp:
Heilkräuterkatalog „Einheimische Heilkräuter sammeln und zubereiten“ von Olga Dietl, 2009. Zu bestellen unter: www.kraeuter-beratung.de

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