Wenn wir einem uns unbekannten Menschen begegnen, gibt es vieles, was wir bewusst wahrnehmen – Größe, Aussehen, Kleidung. Was aber unbewusst den Ausschlag gibt, ob wir jemanden sprichwörtlich „gut riechen“ können, liegt meist an dem Inhalt eines kleinen Flakons.

Die ursprünglichste Form des Parfums liegt wie so viele menschliche Errungenschaften im Feuer. Harze wie Weihrauch, Pflanzenteile und Myrrhe wurden verbrannt und man setzte sich in den Rauch, um die wohlriechenden Düfte anzunehmen. Daher auch der Name Parfum, der sich aus dem Lateinischen „per fumum“ = „durch Rauch“ ableitet.

Das Parfum in seiner flüssigen Form, wie wir es heute kennen, wurde erstmals um 5000 vor Christus von den alten Ägyptern entwickelt und diente als Grabbeigabe. Mit der Pharaonin Hatschepsut kamen auch die Lebenden in den Genuss der Düfte. Mit ihr wurde es Mode, Parfum auf Salben- und Ölbasis aufzutragen. Aus dieser Zeit stammt das berühmte Kyphi, das unter anderem aus Weihrauch, Sandelholz, Rosinen, Zimt und Styrax besteht. Erst mit den Kreuzzügen kamen diese wohlriechenden Kompositionen auch nach Europa, wo man bisher nur Lavendelwasser kannte.

Bedenkenlos: Das Ambra des Pottwals findet man am Strand und es muss über Jahre reifen – Foto: Linda Dahrmann / pixelio.de

Bedenkenlos: Das Ambra des Pottwals findet man am Strand und es muss über Jahre reifen – Foto: Linda Dahrmann / pixelio.de

Bevor es im 15. Jahrhundert gelang, erste ätherische Öle zu gewinnen oder später die einzelnen Komponenten von Parfums chemisch herzustellen, suchte man sich die verschiedenen Duftnoten nicht nur in der Pflanzen-, sondern auch in der Tierwelt.

Am bekanntesten dürfte wohl der Odor des Moschustieres sein. Schon im Altertum wurde das hirschartige Tier von den Persern gejagt, die es auf sein wohlriechendes Muscon abgesehen hatten. Auch das Ambra dürfte dem ein oder anderen geläufig sein, spätestens seitdem ein Brite und sein Hund zu 15-Minuten-Stars wurden, als sie einen größeren Klumpen davon beim Spazierengehen am Strand fanden. Dieser Klumpen aus dem Verdauungstrakt eines Pottwals hat eine holzige, balsamisch tabakhaftige Duftnote und war jahrhundertelang ein begehrter Duftstoff.

Das erste moderne Parfum, das noch heute beliebte „Jicky“, enthielt die ersten synthetisch produzierten Parfumbestandteile. Es wurde 1889, dem Jahr, in dem der Eiffelturm fertiggestellt wurde, herausgebracht und mit ihm begann die letzte Epoche des Parfums.

Ein Artikel von Franziska Herget

Beitragsbild: Die feine Komposition ist der Schlüssel – Lavendel ist in vielen Parfums vertreten – Foto: Birgitta Hohenester / pixelio.de