Das Hauptargument für den Hausbau ist seit jeher die Altersvorsorge. In Zeiten von stagnierenden Renten geben die eigenen vier Wände finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit.

Eine Studie hat ergeben, dass der Bauherr von heute mit 38 Jahren den Grundstein legt. Aber auch immer mehr über 50-Jährige bauen, und zwar ein zweites Mal. Oft zeigen sich ein paar Jahre nach dem Hausbau, welche Hindernisse steile Treppen oder schmale Hausflure eigentlich darstellen können. Wer weiterhin seinen Lebensstandard halten will, muss entweder teure Umbaukosten in Kauf nehmen oder sich gleich nach einer neuen Immobilie umsehen. Wer sich aber schon beim Hausbau Gedanken über die Anforderungen im Alter macht, hat eine große Chance, später auch in seinem Haus bequem wohnen zu können.

Der Rohbau

Vor dem Rohbau kommt die saubere und gewissenhafte Planung des Eigenheims - Foto © Franziska Herget

Vor dem Rohbau kommt die saubere und gewissenhafte Planung des Eigenheims – Foto © Franziska Herget

Beim Rohbau ist vor allen Dingen „Platz“ das Stichwort. Insbesondere schmale Türrahmen, enge Flure oder ungünstige Raumaufteilungen werden nach ein paar Jahren oft zum unüberwindbaren Problem. Das kann nur durch Umbaumaßnahmen gelöst werden. Dabei genügt ein etwas großzügigerer Umgang mit dem Zollstock, um diesem Problem von Anfang an aus dem Weg zu gehen.

Wo möglich, sollte man auf massive Trennwände verzichten und auf Rigips oder Ähnliches setzen. So kann im Zweifelsfall die Raumplanung nachträglich mit verhältnismäßig wenig Aufwand geändert werden.

Türdurchgänge sollten nicht schmaler als 90 Zentimeter sein, diese Breite reicht auch für einen Rollstuhl aus. Das Treppenhaus sollte breit genug sein, um später einen Treppenlift einbauen zu können. Ebenso sollte Wert auf einen breiten Flur gelegt werden, damit man sich später frei in ihm bewegen kann. Grundsätzlich empfiehlt es sich, bei Neubauten auf vermeidbare Treppenstufen, Türschwellen oder andere Niveauunterschiede zu verzichten. Zum einen wirkt dadurch die Wohnung größer, zum anderen vermeidet man
Stolperfallen.

Erd- und Obergeschoss sollten autark an Strom- und Wasseranschlüsse angeschlossen sein, sodass das Leben auf nur einer Etage möglich ist. Auch wenn vorerst nur die Kinder- und Schlafzimmer oben sind, so sollten Optionen für Bad und Küche eingeplant sein. Diese Etage kann dann später von einem der Kinder, einem Mieter oder für benötigtes Pflegepersonal als Wohnung genutzt werden.

Der Hauseingang

Heute sollte ein Hauseingang barrierefrei geplant sein, ohne Stufen - Foto &copy Monika Möhrle

Heute sollte ein Hauseingang barrierefrei geplant sein, ohne Stufen – Foto &copy Monika Möhrle

Die Haustür der meisten modernen Einfamilienhäuser erreicht man inzwischen über eine kleine Treppe. Dies liegt daran, dass die Gebäudefuge am Sockel des Hauses über Bodenniveau liegen soll, um das Haus vor Staunässe zu schützen. Verzichtet man
darauf und legt zum Beispiel direkt an der Haustür eine abgedeckte Bodenablaufrinne an, bleibt der Hauseingang ebenerdig. Dies ist genauso effektiv und kostet bei der richtigen Durchführung keinen Cent mehr – ein weiteres Hindernis zwischen Alter und Haus ist beseitigt. Außerdem sollte im Bereich der Türschwelle und hinter der Eingangstür genug Platz eingeplant werden, um Einkäufe, Kinderwagen oder Ähnliches ohne Probleme abstellen zu können.

Die Küche und das Bad

Schiebeanlage von Sprinz - Foto © Sprinz

Schiebeanlage von Sprinz – Foto © Sprinz

Platz, Platz und noch mal Platz. Eine Mikroküche ist für Studentenwohnungen vielleicht ideal und ein kleines Badezimmer ist momentan komplett ausreichend. Später sollten jedoch Küche und Bad genug Raum bieten können, damit man möglichst lange eigenständig schalten und walten kann. So ist es sinnvoll, in große, leicht zu reinigende, aber auch rutschfeste Fliesen zu investieren. In der Küche ist der höher gesetzte Backofen nicht nur up to date, sondern auch rückenfreundlich.

In das moderne Bad gehört in jedem Fall eine Dusche zusätzlich zur Badewanne. Wer ganz sicher gehen will, kann statt einer Duschwanne eine begehbare Nasszelle einbauen.

Der Balkon und die Terrasse

Ältere Menschen ziehen sich gerne auf ihre Terrasse oder ihren Balkon zurück, um frische Luft und Sonne tanken zu können. Besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist ein leichter Zugang zum Freien sehr wichtig, daher ist ein breiter, leicht zugänglicher Balkon einfach Pflicht.

Die Glastüren und Fenster

Um möglichst viel natürliches Licht und Wärme in die Wohnung zu lassen, setzen viele Bauherren auf große, gut isolierte Fenster. Für das Alter ist aber auch entscheidend, wie sich die Fenster öffnen lassen. Zu empfehlen sind dabei Schiebefenster und -türen, deren Flügel nicht aufgeklappt werden, sondern nach oben oder zur Seite gleiten. Damit entfällt das Fensterbrettabräumen oder auch das Ausweichen vor dem Fensterflügel.

Inzwischen haben sich viele Bauunternehmer und Architekten auf diese Art des Bauens eingestellt und bieten umfassende Beratungen zu diesem Thema an. Aber nicht nur beim Neubau kann man das Eigenheim altersgerecht anlegen, auch während einer Sanierung lässt sich einiges korrigieren. Es spart Geld, Nerven und nachträgliche Bauarbeiten, wenn man in einigen Jahren nicht erneut einen Umbau beginnen muss. Viele Maßnahmen sind nicht nur eine Investition in die zukünftige Lebensqualität, sondern auch eine rentable finanzielle Anlage. Momentan ist nur ein Prozent der bestehenden Wohnungen und Häuser barrierefrei angelegt. Und schon heute heiß begehrt auf dem Immobilienmarkt.

Ein Artikel von Franziska Herget

Beitragsbild: Glastüren und Systeme - Foto © Sprinz